US-Baustopp für Revolution Wind drückt Ørsted-Aktie auf Rekordtief, gefährdet Kapitalerhöhung und verschärft Sorgen um US-Großprojekte.
Die Aktien von Ørsted stürzten am Montag um 18 Prozent auf ein Rekordtief von 175 Kronen ab, nachdem die US-Regierung den Bau des Offshore-Windparks Revolution Wind überraschend gestoppt hatte. Das 1,5 Mrd. Dollar teure Projekt vor Rhode Island ist zu 80 Prozent fertiggestellt und sollte ab 2025 Strom für 350.000 Haushalte in Neuengland liefern.
Die Anordnung des Bureau of Ocean Energy Management vom Freitag, die mit „nationalen Sicherheitsinteressen“ begründet wurde, trifft den dänischen Energiekonzern in einer heiklen Phase. Ørsted will über eine Kapitalerhöhung 60 Mrd. Kronen (9,4 Mrd. Dollar) einwerben, um den Bau von Sunrise Wind zu finanzieren – einem weiteren Großprojekt an der US-Ostküste, das Investitionen von rund 40 Mrd. Kronen erfordert.
Mit dem Kursrutsch sank die Marktkapitalisierung auf nur noch 74 Mrd. Kronen. Analysten zweifeln inzwischen, ob Ørsted unter diesen Bedingungen seine Kapitalmaßnahme wie geplant umsetzen kann. „Es ist fraglich, ob das Unternehmen eine Kapitalerhöhung mit dieser Unsicherheit im Rücken durchführen kann“, sagte Jacob Pedersen von Sydbank.
Das Unternehmen beziffert seinen Anteil an den verbleibenden Investitionen für Revolution Wind auf 5 Mrd. Kronen. Im Betrieb soll das Projekt jährlich rund 1 Mrd. Kronen an EBITDA erwirtschaften. Ørsted und eine BlackRock-Tochter halten jeweils 50 Prozent. Insgesamt belaufen sich die Investitionen in Revolution und Sunrise Wind auf etwa 100 Mrd. Kronen; bilanziell führt Ørsted diese derzeit mit 17 Mrd. Kronen.
Die Entscheidung aus Washington steht im Kontext politischer Spannungen: Während Norwegen mit Equinor nach einer ähnlichen Verzögerung im Frühjahr auf bessere diplomatische Beziehungen setzen konnte, ist das Verhältnis zwischen Trump und Dänemark seit dessen Vorstoß zur Übernahme Grönlands frostig. Analysten von Citi warnten, dass ein längerer Baustopp nicht nur Ørsteds Eigenkapitalpläne verschieben, sondern auch zusätzliche Kosten verursachen könnte.




