Thomas Kemmerich, Landesvorsitzender der FDP in Thüringen, hat seinen Austritt aus der Partei erklärt. Am Freitagvormittag veröffentlichte er auf X (ehemals Twitter) ein Schreiben an den FDP-Bundesvorstand. In dem Brief, der an Fraktionschef Christian Dürr adressiert ist, begründet Kemmerich den Schritt mit einer zunehmenden inhaltlichen Entfremdung.
„Nach annähernd zwanzig Jahren Mitgliedschaft bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass sich meine Vorstellungen von der Zukunft unseres Landes und die inhaltliche Ausrichtung der Partei auseinanderentwickelt haben“, schrieb der 59-Jährige. Zugleich betonte er, dass sein Engagement für freiheitliche Grundwerte bestehen bleibe.
Kemmerich war seit 2009 Mitglied des Bundestages und wurde 2015 Landesvorsitzender der FDP Thüringen. Bundesweite Bekanntheit erlangte er am 5. Februar 2020, als er mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt wurde. Die Wahl löste eine politische Krise aus, da erstmals ein Ministerpräsident mit Unterstützung der AfD ins Amt kam. Nach massiven Protesten und Kritik, unter anderem von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Wahl als „unverzeihlich“ bezeichnete, trat Kemmerich wenige Tage später zurück.
Das Ereignis belastete sein Verhältnis zur Bundespartei dauerhaft. In den Folgejahren blieb er zwar FDP-Landeschef, war aber zunehmend isoliert. Sein Austritt nun markiert das Ende einer fast zwanzigjährigen Parteikarriere. Ob er sich künftig einer anderen politischen Kraft anschließen oder politisch unabhängig bleiben will, ließ Kemmerich offen.
Für die FDP bedeutet sein Schritt einen weiteren Einschnitt in Thüringen, wo die Partei seit Jahren mit schwachen Umfragewerten kämpft.



