LIVESo. 14. Juni, 11 Uhr — Michael enthüllt seine Top-Aktien

Clan-Kriminalität in NRW: Ein ungelöstes Problem trotz intensiver Maßnahmen

Quelle: eulerpool

Trotz tausender Razzien, zehntausender Kontrollen und beschlagnahmter Millionen bleibt die Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen ein ungelöstes Problem. Neue Strukturen entstehen schneller, als die Polizei sie zerschlagen kann.

Seit 2018 führten die Behörden in NRW fast 4000 Kontrollen in über 9000 Objekten durch, darunter Shisha-Bars, Spielhallen und Wettbüros. Das Ergebnis: 5300 Strafanzeigen, 19.000 Verwarngelder und 22 Millionen Euro an kriminellen Vermögenswerten wurden gesichert. Dennoch registrierte das Lagebild 2023 erneut einen Anstieg: 7000 Straftaten, 4213 Tatverdächtige, 423 Razzien und 1138 kontrollierte Objekte.

Innenminister Herbert Reul (CDU) hält an der Strategie der „1000 Nadelstiche“ fest, spricht von Prävention, Repression und Finanzermittlungen. Doch Kritiker verweisen auf die Grenzen: Straßenschlachten gingen zwar zurück – von 179 Fällen im Jahr 2018 auf nur noch 19 im Jahr 2023 – gleichzeitig treten neue Gruppen, vor allem syrische Familienverbände, immer stärker auf.

Islamwissenschaftler Ralph Ghadban betont: „Clan-Kriminalität ist in erster Linie ein Integrationsproblem.“ Patriarchale Familienstrukturen erschwerten Ausstiegsmöglichkeiten, Friedensrichter unterliefen das staatliche Recht. Er fordert, Frauen stärker zu emanzipieren und Zwangsehen konsequent zu verfolgen.

Der ehemalige LKA-Ermittler Thomas Ganz zieht Parallelen zur Mafia in Italien: „Die Erfahrung zeigt, dass man solche Systeme kaum zerschlagen kann. Der Kampf gegen die Clans ist schon verloren. Die Frage ist nur noch, ob wir das Problem eindämmen können.“

Im Düsseldorfer Landtag herrscht Einigkeit über die Schwere des Problems, aber nicht über die Strategie.

Die Zahlen zeigen: Der Druck der Behörden ist hoch, doch Clan-Strukturen passen sich an. Besonders im Ruhrgebiet verschiebt sich die Machtbalance zwischen etablierten libanesischen Großfamilien und neuen syrischen Netzwerken. Ob NRW mit seiner Politik die Strukturen wirklich schwächen oder nur verlagern kann, bleibt offen.