US-Banken warnen vor Stablecoin-Gesetz, das durch Zinsvorteile der Kryptobörsen Billionen-Dollar-Einlagenabflüsse und höhere Kreditkosten auslösen könnte.
US-Banken laufen Sturm gegen neue Regeln für Stablecoins, die ihrer Ansicht nach gewaltige Einlagenabflüsse auslösen könnten. Branchenverbände wie die American Bankers Association und das Bank Policy Institute warnten den Kongress vergangene Woche vor einem „loophole“ in der Regulierung, das Kryptobörsen erlaube, Anlegern indirekt Zinsen auf Stablecoins auszuschütten.
Das im Juli verabschiedete Genius Act untersagt Emittenten zwar, Zinsen oder Renditen auf Stablecoins zu zahlen. Banken dürfen eigene Coins herausgeben, jedoch ohne Zinsversprechen. Kryptobörsen hingegen könnten über Drittanbieter wie Circle oder Tether Belohnungen oder Rewards an Anleger weiterreichen – ein Vorteil, der nach Einschätzung der Banken Einleger dazu bewegen könnte, Gelder aus traditionellen Konten in Stablecoins umzuschichten.
Ein Bericht des US Treasury schätzte im April, dass unter solchen Bedingungen bis zu 6,6 Billionen Dollar an Bankeinlagen abfließen könnten. Die Lobbys warnen, dies erhöhe das Risiko von „deposit flight“ in Stressphasen und könnte Kreditvergabe und Wirtschaft insgesamt belasten. „Das Ergebnis wären höhere Zinsen, weniger Darlehen und steigende Finanzierungskosten für Haushalte und Unternehmen“, heißt es in ihrem Schreiben.
Der Vergleich zu den 1980er-Jahren drängt sich auf: Schon damals führten höher verzinste Geldmarktfonds zu massiven Abflüssen aus klassischen Girokonten. Ronit Ghose, Leiter des Future of Finance Think Tanks von Citi, spricht von einer ähnlichen Dynamik, die jetzt durch Stablecoins entstehen könnte. PwC-Experte Sean Viergutz erwartet, dass Banken höhere Refinanzierungskosten schultern müssten, indem sie stärker auf den Interbankenmarkt setzen oder selbst höhere Zinsen zahlen – was Kredite verteuern würde.
Die Kryptobranche weist die Argumente als protektionistisch zurück. In einem Brief an Senatoren erklärten die Blockchain Association und der Crypto Council for Innovation, Banken wollten lediglich ein „uncompetitive payment stablecoin environment“ schaffen. Coinbase-Chefjurist Paul Grewal warf den Instituten auf X vor, „die Konkurrenz zu fürchten und Konsumenten Wahlmöglichkeiten zu nehmen“.
Die Auseinandersetzung verdeutlicht die Frontstellung zwischen Wall Street und Kryptoindustrie – während die Trump-Regierung das Thema forciert und Stablecoins als künftige Stütze der Nachfrage nach US-Staatsanleihen begreift.



