Deutsche Bahn erwägt Verkauf der profitablen Auslandssparte
- Deutsche Bahn erwägt Verkauf der profitablen Auslandssparte trotz wachsender Umsätze.
- Fokus liegt auf Sanierung und Schuldenabbau im deutschen Kerngeschäft.
Die Deutsche Bahn kämpft im Heimatmarkt mit Verlusten und Infrastrukturproblemen. Doch das internationale Geschäft, das profitabel und wachstumsstark ist, steht nun zum Verkauf. Unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Evelyn Palla könnte „DB International Operations“ trotz positiver Ergebnisse veräußert werden.
Seit 2023 betreibt die Deutsche Bahn Züge in Ländern wie Ägypten, Indien und Uruguay. Diese Aktivitäten sind in der „DB E.C.O. Group“ gebündelt. 2024 erzielte die Einheit einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und ein operatives Ergebnis von 35 Millionen Euro.
Das Auslandsgeschäft ist einer der wenigen profitablen Teile des Konzerns, der 2024 insgesamt einen Verlust von 333 Millionen Euro auswies. Dennoch fehlt die strategische Unterstützung, da der Fokus auf das Kerngeschäft in Deutschland gelegt wird.
Der mögliche Verkauf der Auslandssparte wurde bereits unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz beschlossen. Evelyn Palla, damals Teil des Führungsgremiums, unterstützt diese Linie. Der Konzernumbau konzentriert sich auf Sanierung und Schuldenabbau in Deutschland.
Offiziell äußert sich die Deutsche Bahn ausweichend. Projekte laufen „wie unter bisheriger Zuordnung“. Interviews mit Verantwortlichen der Auslandstochter sind derzeit nicht möglich.
Der Bundesrechnungshof unterstützt die Verkaufsüberlegungen. Er kritisiert, dass die Auslandsaktivitäten Managementkapazitäten und Kapital binden, ohne Nutzen für das deutsche Schienensystem zu stiften.
Diese Einschätzung steht im Widerspruch zur Realität: Das Auslandsgeschäft wächst rasant. Der Umsatz der DB E.C.O. Group hat sich seit 2020 fast verdoppelt. Die Auftragsbücher sind voll, das Risiko begrenzt.
Besonders in Ägypten zeigt sich die strategische Bedeutung. Die Bahn betreibt ein 2.000 Kilometer langes Hochgeschwindigkeitsnetz. Siemens liefert die Züge, die DB übernimmt Betrieb und Wartung. Das Projekt gilt als industriepolitisches Vorzeigevorhaben Deutschlands.
In Indien betreibt die Bahn ein Netz für 46 Millionen Menschen. In Uruguay organisiert sie den Güterverkehr für den Papierkonzern UPM. Die Bahn tritt als integrierter Systemanbieter auf – ein Alleinstellungsmerkmal.
Ein Verkauf der Auslandssparte würde kurzfristig Liquidität bringen und den Konzern organisatorisch verschlanken. Langfristig verlöre Deutschland jedoch einen weltweit sichtbaren Systemanbieter im Bahnbereich.
Ob der Verkauf von „DB International Operations“ Realität wird, hängt davon ab, ob sich wirtschaftliche Vernunft oder politische Fokussierung durchsetzt. Für die internationale Bahnindustrie wäre der Rückzug ein Signal mit weitreichender Bedeutung.