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Aktive ETFs: Die stille Revolution im ETF-Markt

  • Aktive ETFs gewinnen an Bedeutung, die Grenzen zwischen aktiv und passiv verschwimmen.
  • Der ETF-Markt entwickelt sich zu einer Plattform für unterschiedliche Investmentstile.

Passive ETFs galten lange als Goldstandard: kostengünstig, transparent, diversifiziert. Doch eine neue Generation aktiv gemanagter ETFs gewinnt an Bedeutung. Die Grenzen zwischen aktiv und passiv verschwimmen, und ein zentrales Dogma der Kapitalanlage wird infrage gestellt.

Was ist heute ein „echter“ ETF? Früher war es ein Fonds, der einen Index exakt repliziert. Diese Definition wirkt antiquiert. Viele Indexfonds treffen implizit aktive Entscheidungen, während manche aktive ETFs dem Marktportfolio ähneln.

Es entsteht eine Grauzone aus regelbasierten Strategien, Smart-Beta-Ansätzen und semi-aktiven Modellen. Diese sind weder traditionellem Fondsmanagement noch reiner Indexnachbildung eindeutig zuzuordnen.

Die Zahlen belegen die Dynamik: 2025 waren in den USA 85% der neuen ETFs aktiv verwaltet. Weltweit sind über eine Billion US-Dollar in aktive ETFs investiert. In Europa beträgt das Volumen über 60 Milliarden Euro.

In Großbritannien sind an der Londoner Börse rund 250 aktive ETFs notiert. Die Gebühren liegen zwischen 0,2 und 0,9 Prozent, über klassischen Indexfonds, aber unter traditionellen Publikumsfonds.

Der Vormarsch aktiver ETFs ist eine ökonomische Notwendigkeit. Im klassischen Indexgeschäft sind die Margen minimal. Große Anbieter wie BlackRock, Vanguard oder State Street müssen sich differenzieren.

Aktive Strategien erlauben höhere Gebühren und eine klarere Positionierung. Sie sind intraday handelbar, steuerlich optimiert und global erreichbar. Das Argument, aktives Management sei teuer und intransparent, verliert an Schlagkraft.

Ein weiterer Beschleuniger ist die Regulierung. Die US-SEC hat 2025 ETF-Anteilsklassen innerhalb klassischer Fonds ermöglicht. Vermögensverwalter können Strategien als Fonds und ETF anbieten.

Diese Öffnung könnte den Markt verändern. Wenn aktive Fonds dieselbe steuerliche Effizienz wie ETFs erreichen, verlieren passive Produkte einen strukturellen Vorteil. Der Wettbewerb verlagert sich zur Qualität des Investmentprozesses.

Für Investoren wächst die Komplexität. Neben klassischen Index-Trackern gibt es nun ein Ökosystem aktiver Bausteine, das Renditequellen, Risikoprämien oder Marktineffizienzen adressiert.

Passive ETFs haben nicht ausgedient, aber ihr Monopol bröckelt. Der ETF-Markt entwickelt sich zu einer Plattform für unterschiedliche Investmentstile. Aktiv und passiv sind Endpunkte eines Kontinuums.

Für Anleger gilt: Die entscheidende Frage lautet künftig weniger „Index oder Manager?“, sondern „Welche Strategie, welche Systematik, welches Risikoprofil?“ Der Erfolg hängt von der Substanz des Investmentprozesses ab.

Quelle: Eulerpool Research Systems