Skip to content

Gastgewerbe in der Krise: Fachkräftemangel verschwindet, aber zu welchem Preis?

  • Der Fachkräftemangel in der Gastronomie scheint gelöst, ist jedoch ein Krisensymptom.
  • Steigende Kosten und sinkende Nachfrage führen zu Umsatzeinbrüchen und Geschäftsaufgaben.

Die Gastronomiebranche steht vor einer tiefen Krise. Der Fachkräftemangel, der lange als größtes Problem galt, scheint gelöst. Doch die neuen Arbeitsmarktzahlen sind kein Grund zur Entspannung, sondern ein Alarmsignal für die Branche.

Im Sommer 2023 warnte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor 44.000 offenen Stellen bei nur 29.000 qualifizierten Arbeitslosen. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 fehlten nur noch 2.703 Fachkräfte.

Im Oktober 2025 standen 19.103 offenen Stellen sogar 97.163 arbeitssuchende Gastronomen gegenüber. Statistisch ist der Fachkräftemangel fast verschwunden. Doch ökonomisch ist dies ein Krisensymptom, nicht ein Erfolg.

Der Grund liegt auf der Nachfrageseite. Seit der Pandemie treiben Kostensteigerungen bei Energie, Lebensmitteln und Personal die Preise in die Höhe. Die Folge: Gäste bleiben aus, Umsätze sinken.

Preisbereinigt setzten Restaurants im dritten Quartal 2025 rund 19,3 Prozent weniger um als 2019. Hotels lagen 6,4 Prozent unter Vorkrisenniveau. Auch gegenüber 2024 gingen die Erlöse zurück.

Die Zahl der Geschäftsaufgaben steigt seit Jahren. Die Insolvenz des Berliner Hotelbetreibers Revo gefährdet 5.500 Arbeitsplätze. Wo Betriebe schließen, verschwinden Stellen – und mit ihnen der Fachkräftemangel.

Die gesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen sollte Entlastung bringen, verpufft jedoch. Der Mindestlohn stieg zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro, 2027 folgt der nächste Sprung.

Steigende Löhne bei sinkender Nachfrage verschärfen den Kostendruck und treiben den Strukturabbau an. Kurzfristig scheint der Arbeitsmarkt entspannt, doch langfristig droht ein Rückfall in alte Probleme.

Der Fachkräftemangel könnte zurückkehren, verschärft durch den Verlust an Erfahrung und Nachwuchs. Der Arbeitsmarkt signalisiert keine Erholung, sondern eine strukturelle Verkleinerung der Branche.

Was wie Entlastung aussieht, ist ein Vorbote für einen gefährlichen Kreislauf aus Kostendruck, Angebotsabbau und langfristigem Verlust an Qualifikation. Für das Gastgewerbe ist das ein ökonomischer Warnruf.

Quelle: Eulerpool Research Systems