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BCG gerät in Kritik: Beteiligung an umstrittenem Gaza-Projekt aufgedeckt

Quelle: eulerpool

BCG gerät wegen geheimer Beteiligung an Gaza-Projekt unter Druck – Partner entlassen, millionenschwerer Auftrag gestoppt.

Boston Consulting Group (BCG) hat über Monate hinweg an einem hochumstrittenen Hilfsprojekt für den Gazastreifen mitgewirkt – einschließlich der Modellierung von Szenarien zur Umsiedlung von über 500.000 Palästinensern. Insgesamt belaufen sich die geplanten Beratungsleistungen auf rund 4 Millionen Dollar, wie aus Recherchen der Financial Times hervorgeht.

Zwar hatte BCG das Projekt offiziell als pro bono gestartet, doch entwickelte sich die Initiative namens „Aurora“ zu einem komplexen, entgeltlichen Engagement unter Beteiligung hochrangiger US- und israelischer Akteure. Spätestens ab März reiste ein Team nach Tel Aviv, um operative Abläufe für die neue Gaza Humanitarian Foundation (GHF) und deren Sicherheitsdienstleister Safe Reach Solutions (SRS) zu entwickeln.

Besonders brisant: In einem von BCG erstellten Finanzmodell wurde ein Szenario kalkuliert, bei dem bis zu 25 Prozent der Bevölkerung Gazas mit „Relocation Packages“ von je 9.000 Dollar das Gebiet verlassen sollten – ein Vorschlag, der international scharf kritisiert wurde. Laut UN handelt es sich bei der GHF um ein „Feigenblatt“ für israelische Kriegsziele. Seit Projektstart im Mai wurden über 400 Palästinenser beim Versuch getötet, Hilfsverteilzentren zu erreichen.

Intern führte die Enthüllung über die Tiefe der Beteiligung zum Eklat. Zwei für das Projekt verantwortliche Partner der US-Defence-Practice, Matt Schlueter und Ryan Ordway, wurden entlassen. BCG-Chef Christoph Schweizer räumte gegenüber Alumni „gravierende Versäumnisse“ ein. Die Beauftragung des Projekts sei ohne vollständige Transparenz gegenüber der Unternehmensführung erfolgt – eine externe Untersuchung durch WilmerHale läuft.

Ursprünglich wurde BCG über Orbis, ein sicherheitsnahes US-Unternehmen, engagiert. Der damalige Orbis-Berater Phil Reilly – mit Verbindungen zum CIA – wechselte später zu SRS, das operativ für die GHF tätig wurde. Reilly hatte enge persönliche Kontakte zu den später entlassenen BCG-Partnern. Finanziert wurde der operative Teil der Beratungsleistung durch McNally Capital, dem Eigentümer von Orbis.

Intern wurden „Guardrails“ vereinbart, darunter der Ausschluss von Beratern aus Israel oder arabischen Ländern – wohl um politische Neutralität zu wahren. Doch spätestens im Frühjahr begann BCG nicht nur mit logistischen Beratungen, sondern auch mit strategischen Finanzmodellen zu möglichen Umsiedlungen und Wiederaufbauszenarien.

Nachdem sich die humanitäre Gemeinschaft zunehmend gegen die GHF-Initiative stellte und auch die UN ihre Mitarbeit verweigerte, übernahm SRS selbst die Beschaffung und Verteilung von Hilfsgütern – unter direkter Beratung von BCG. Ein interner „Red Zone“-Report belegte, dass Mitarbeiter in Tel Aviv regelmäßig über 70 Stunden pro Woche arbeiteten.

Ende Mai zog BCG die Reißleine: Das Team wurde aus Israel abgezogen, auf Honorarzahlungen wurde verzichtet, der Projektcode in den internen Systemen geschlossen. Wenige Tage später kündigte der CEO der GHF, Jake Wood, aus Protest. Für BCG bleibt ein erheblicher Reputationsschaden – und die Frage, wie eine der weltweit renommiertesten Beratungen in ein derart politisch aufgeladenes Projekt schlittern konnte.