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AstraZeneca erwägt Abwanderung: Strenge Preisregeln bedrohen britischen Pharmastandort

Quelle: eulerpool

Strenge Preisregeln und fehlende Investitionsanreize gefährden Großbritanniens Pharmastandort – selbst Branchenführer wie AstraZeneca drohen mit Abwanderung.

AstraZeneca-Chef Sir Pascal Soriot erwägt laut Medienberichten, den Börsenplatz des wertvollsten britischen Unternehmens nach New York zu verlegen. Hintergrund sind verschärfte Wettbewerbsbedingungen: In den USA drängt Präsident Donald Trump auf höhere Produktion und niedrigere Preise, während in Großbritannien ein umstrittenes NHS-Preisdeckelungssystem die Branche belastet.

Der Konzern erzielt 44 Prozent seiner Umsätze in den USA und kündigte dort jüngst Investitionen von 50 Mrd. US-Dollar bis 2030 an – ein scharfer Kontrast zur im Januar gestrichenen 450 Mio.-Dollar-Erweiterung einer Impfstoffanlage nahe Liverpool. Der Ausstieg folgte Differenzen über die Höhe staatlicher Fördermittel.

Die britische Pharmaindustrie kritisiert vor allem die rigiden Preis- und Kosten-Nutzen-Vorgaben für neue Arzneien. Dieses Jahr müssen Hersteller 23,5 Prozent der Umsätze mit neuen Medikamenten an den NHS zurückführen – viermal so viel wie in Frankreich. Auch die seit 1999 unveränderten Kosteneffektivitätsgrenzen des National Institute for Health and Care Excellence sorgen für Streit. Das Brustkrebsmedikament Enhertu erhielt in England keine Zulassung für NHS-Patienten, obwohl es in Schottland und anderen europäischen Ländern verfügbar ist.

Parallel sinkt Großbritanniens Anteil an globalen Investitionen in Gesundheitsforschung, und das Land rutscht in internationalen Ranglisten für Spätphasenstudien ab. Zwar konnte der Standort jüngst von Platz zehn auf acht klettern, doch ohne wettbewerbsfähige Versorgungsstandards droht ein erneuter Rückfall.

Trotzdem verfügt das Vereinigte Königreich über erhebliche Standortvorteile: die Datenbestände des NHS, ein forschungsstarkes Oxford-Cambridge-Cluster und eine lebendige Biotech-Szene. Doch ohne verlässliche Renditeaussichten werden nicht nur neue Investoren abgeschreckt – auch etablierte Branchenführer könnten abwandern.