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Amazon plant Einstieg bei Flink: Strategische Partnerschaft im Quick-Commerce-Markt

Quelle: eulerpool

Das Berliner Start-up hat sich nach zwei Jahren Restrukturierung zurück in die Spur gekämpft. Nun soll Amazon als Investor einsteigen – ein Schritt, der den deutschen Quick-Commerce-Markt grundlegend verändern könnte.

Der Wind hat gedreht: Flink, einst das Sorgenkind der Berliner Start-up-Szene, ist wieder auf Wachstumskurs – und könnte bald prominente Unterstützung bekommen. Nach Informationen aus Branchenkreisen führt das Unternehmen Gespräche über eine neue Finanzierungsrunde von unter 100 Millionen Euro. Unter den potenziellen Investoren: Amazon.

Für den Onlinegiganten wäre der Einstieg mehr als nur ein Investment. Es wäre ein strategischer Schachzug, um den hart umkämpften europäischen Liefermarkt endlich aus der zweiten Reihe zu betreten.

Noch vor einem Jahr stand Flink am Abgrund. Nach der Pandemie war der Hype um Quick-Commerce abrupt verflogen, Investoren kehrten dem Sektor den Rücken, Zinsen stiegen, Kapital wurde knapp. Während Konkurrenten wie Gorillas und Getir das Handtuch warfen, setzte Flink-Chef Julian Dames auf radikalen Umbau: Zwei Drittel der Belegschaft mussten gehen, Standorte wurden geschlossen, Kosten gesenkt.

Das Resultat: Seit August ist Flink profitabel. „Wir wachsen wieder – und das nachhaltig“, sagt Dames. Der Umsatz liegt bei rund 600 Millionen Euro, das Ziel: zweistelliges Wachstum im laufenden Jahr.

Warum interessiert sich ausgerechnet Amazon für Flink? Die Antwort liegt in der letzten Meile – und im Zeitvorteil.
Während Amazon Prime in Deutschland längst ein Synonym für schnellen Versand ist, blieb der Konzern beim Lebensmittel- und Sofortliefergeschäft bislang zurück. Das Angebot Amazon Fresh wurde hierzulande eingestampft, stattdessen kooperiert man mit Händlern wie Knuspr und Tegut.

Ein Einstieg bei Flink könnte das ändern. Flinks urbane Lager und Fahrradflotten würden Amazon Zugang zu einem bestehenden, funktionierenden Netz liefern – perfekt, um alltägliche Produkte in wenigen Stunden zuzustellen. „Die städtische Infrastruktur von Flink könnte Amazons letzte Meile revolutionieren“, sagt E-Commerce-Experte Matthias Schu von der Hochschule Luzern.

Hinzu kommt: Mit Flink ließe sich der Wert des Prime-Abos steigern. Ein Express-Lieferservice für Prime-Kunden – etwa für Lebensmittel, Batterien oder Drogerieartikel – würde den Komfortvorsprung gegenüber der Konkurrenz weiter vergrößern.

Dass Flink heute überhaupt wieder in dieser Position ist, verdankt das Start-up auch seinem Partner Rewe, der rund 20 Prozent der Anteile hält. Der Handelsriese liefert den Großteil der Waren in die rund 150 Flink-Standorte und nutzt die Plattform sogar selbst, etwa über Lieferando.

Eine Übernahme durch Rewe steht allerdings nicht zur Debatte. „Wir haben nicht vor, Flink zu kaufen“, betonte Rewe-Chef Lionel Souque im Frühjahr. Dennoch dürfte der Konzern ein gewichtiges Wort mitreden, sollte Amazon tatsächlich anklopfen.

Flink will nicht mehr mit Milliardenverbrennung auffallen, sondern mit Stabilität. Jeder neue Standort soll sich innerhalb von sieben Monaten rechnen, sagt Dames. 2026 will er positiven Cashflow erreichen – und damit den endgültigen Beweis liefern, dass Quick Commerce kein Strohfeuer war.

„Wir haben jetzt die Chance, ein nachhaltiges Geschäftsmodell für urbanes Einkaufen zu etablieren“, sagt Dames. Dass Amazon diese Gelegenheit nutzen könnte, wäre logisch: Der Konzern kauft keine Ideen, sondern funktionierende Strukturen mit Potenzial.

Sollte Amazon tatsächlich bei Flink einsteigen, wäre das ein Wendepunkt – nicht nur für den Berliner Lieferdienst, sondern für den gesamten europäischen Markt.
Es wäre die Rückkehr des Quick-Commerce in die erste Liga – diesmal nicht mit dem Versprechen grenzenlosen Wachstums, sondern mit einem Partner, der die Mittel hat, es auch zu halten.

Flink ist wieder da. Und Amazon könnte dafür sorgen, dass es bleibt.