Die Düsseldorfer The Platform Group (TPG) steigt mit der Übernahme des Pharma-Großhändlers AEP in großem Stil in den Apothekenmarkt ein. Mit der Verbindung von klassischer Arzneimittellogistik und digitaler Click&Collect-Technologie will Konzernchef Dominik Benner die Stellung stationärer Apotheken im Wettbewerb mit Onlineanbietern stärken.
AEP, kurz für Apothekeneinkaufspartner, wurde 2012 gegründet und hat sich vom Herausforderer der großen Pharmagroßhändler zu einer festen Größe entwickelt. Das Unternehmen beliefert rund 7000 Apotheken in Deutschland und erwirtschaftet nach Angaben des neuen Eigentümers einen Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro bei Profitabilität. Bisherige Hauptgesellschafter waren die Österreichische Post mit rund 51,5 Prozent sowie der frühere österreichische Wirtschaftsminister Martin Bartenstein mit rund 25 Prozent.
Der Kaufpreis wurde nicht genannt, soll sich nach Brancheninformationen jedoch im hohen zweistelligen Millionenbereich bewegen. Für die Österreichische Post kommt der Verkauf nicht überraschend: Der Konzern will sich strategisch stärker auf Logistik- und Infrastrukturprojekte in Österreich und Südosteuropa konzentrieren.
Der deutsche Pharmagroßhandel ist stark konzentriert und margenschwach. Marktführer Phoenix, die zu Walgreens gehörenden Alliance Healthcare/GEHE, sowie die Genossenschaften Noweda und Sanacorp dominieren mit zweistelligen Milliardenumsätzen. AEP ist im Vergleich kleiner, konnte sich aber durch aggressive Konditionen und digitale Prozesse einen Namen machen.
Bekannt wurde das Unternehmen vor allem durch den sogenannten Skontistreit. Jahrelang stritt die Branche darüber, ob Großhändler Apotheken bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zusätzliche Skonti gewähren dürfen. Ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs im Jahr 2024 schob übermäßigen Rabatten einen Riegel vor und verschärfte den wirtschaftlichen Druck auf viele Apotheken.
Strategischer Kern der Übernahme ist die Verzahnung von AEP mit der Software Aponow. Die Click&Collect-Plattform, an der TPG bereits seit 2021 beteiligt ist und seit 2024 die Mehrheit hält, ermöglicht es Kunden, Medikamente über Herstellerseiten zu bestellen und in einer lokalen Apotheke abzuholen.
Durch die Integration von AEP sollen Hersteller, Großhändler und Apotheken in Echtzeit sehen, wo Nachfrage entsteht und wie schnell nachgeliefert werden muss. Ziel ist eine präzisere Disposition, kürzere Lieferzeiten und eine höhere Verfügbarkeit – ein entscheidender Faktor in Zeiten häufiger Lieferengpässe und wachsender Konkurrenz durch Onlineapotheken wie Shop Apotheke oder DocMorris.
Für die Platform Group ist der Zukauf von AEP eine der größten Transaktionen ihrer Geschichte. Das Volumen des übernommenen Unternehmens entspricht in etwa dem eigenen Jahresumsatz der Holding. CEO Dominik Benner will den Kauf teils aus Eigenkapital, teils über neue Kredite finanzieren. Details zu Kreditgebern und Konditionen nannte er nicht, betonte jedoch, dass die bestehende Unternehmensanleihe nicht weiter aufgestockt werde.
Benner steht seit Monaten auch in der Kritik. Medien werfen ihm vor, gezielt Firmen mit niedriger Bewertung zu kaufen, um sogenannte Badwill-Gewinne zu realisieren, und bei früheren Beteiligungen zu spät Insolvenzen angemeldet zu haben. Der Unternehmer weist diese Vorwürfe zurück.
Mit der AEP-Übernahme setzt TPG auf ein hybrides Modell aus stationärer Versorgung und digitaler Bestelllogik. In einem Markt, in dem die Zahl der Apotheken seit Jahren sinkt und Onlineanbieter zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, will die Platform Group die lokale Apotheke technologisch aufrüsten. Ob das Zusammenspiel aus Großhandel, Software und Plattformökonomie den Strukturwandel bremsen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.



