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Zwangsversteigerung im 'Weißen Riesen': Schnäppchen oder Risiko?

Quelle: eulerpool

In Duisburg steht eines der berüchtigtsten Hochhäuser Deutschlands vor einer massiven Zwangsversteigerungswelle: Gleich 39 Wohnungen im sogenannten „Weißen Riesen“ im Stadtteil Hochheide kommen unter den Hammer – zu Preisen, die in Nordrhein-Westfalen eigentlich undenkbar sind. Erste Gutachten schätzen den Wert einzelner Einheiten auf nur 10.000 Euro, in manchen Fällen sogar auf 8.700 Euro. Doch ein vermeintliches Schnäppchen ist das nur auf den ersten Blick.

Die Immobiliengutachten, die für die Versteigerungen erstellt wurden, zeichnen ein düsteres Bild. In vielen Fällen konnten die Sachverständigen die Wohnungen gar nicht betreten – schon an den Wohnungstüren seien jedoch massive Schädlingsprobleme sichtbar gewesen. „Bereits im Bereich der Wohnungsabschlusstür war ein starker Befall erkennbar“, heißt es mehrfach. Dazu kommen Feuchteschäden, fehlende Bodenbeläge, Taubenbefall und ein allgemeiner „nicht vermietbarer Zustand“.

In einigen Einheiten ist unklar, ob sie überhaupt noch bewohnt sind. Viele stehen augenscheinlich leer. Die wenigen betretenen Wohnungen zeigten laut Gutachten Bilder von verfallenen Badezimmern, Müllbergen und möglicher Asbestbelastung.

Die Hochhäuser aus den 1970er-Jahren galten einst als modernes Wohnprojekt. Heute sind sie ein Symbol für Verwahrlosung, Leerstand und soziale Probleme. Paketboten und Lieferdienste mieden zeitweise das Viertel, Investitionen blieben jahrzehntelang aus. Über die Hälfte der Wohnungen steht leer, und in den vergangenen Jahren wurden drei der ursprünglich sechs Türme bereits abgerissen.

Trotz der katastrophalen Zustände sind die Wohnungen weiterhin bewohnt. Besonders betroffen ist das Gebäude an der Ottostraße 58–64, in dem die nun zur Zwangsversteigerung stehenden Einheiten liegen. Die Eigentümerin ist laut Amtsgericht Duisburg mit Zahlungen an Stadt und Eigentümergemeinschaft stark im Rückstand.

Zwar liegen die Schätzpreise mit 10.000 bis 25.000 Euro pro Wohnung weit unter dem regionalen Marktwert, doch warnen die Gutachter ausdrücklich: „Die Höhe des Hausgeldes und die nachhaltig erzielbare Miete stehen in einem wirtschaftlichen Missverhältnis.“ Für Vermieter bedeutet das: Vermietung ist kaum rentabel, Verluste sind wahrscheinlich.

Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren wechselten Wohnungen im „Weißen Riesen“ für durchschnittlich 157 Euro pro Quadratmeter den Besitzer – ein Bruchteil dessen, was sonst im Ruhrgebiet üblich ist.

Duisburg versucht seit Jahren, das Problemviertel zu sanieren. Drei der sechs Hochhäuser sind bereits gesprengt worden, an ihrer Stelle entsteht ein 6,5 Hektar großer Stadtpark. Für die übrigen Gebäude bleibt die Zukunft ungewiss – doch die aktuellen Zwangsversteigerungen zeigen, wie tief der Verfall inzwischen reicht.

Fazit: Wer hier investiert, kauft nicht nur eine Wohnung, sondern vor allem ein Risiko. Die niedrigen Einstiegspreise locken, doch die massiven Sanierungskosten, das schwierige Umfeld und die kaum erzielbaren Mieten machen die vermeintlichen Schnäppchen zu einem finanziellen Drahtseilakt.