Neue, vom US-Finanzministerium veröffentlichte Unterlagen zeichnen ein detaillierteres Bild der Geschäftsbeziehung zwischen Jeffrey Epstein und der Deutschen Bank. Demnach lagerte der verurteilte Sexualstraftäter zeitweise Vermögenswerte in dreistelliger Millionenhöhe bei dem Frankfurter Geldhaus.
Den Dokumenten zufolge unterhielt Epstein zwischen 2013 und 2019 mehrere Konten bei der Deutschen Bank. Zwischenzeitlich sollen sich dort rund 135 Millionen US-Dollar befunden haben – der größte Teil seines bei Banken geparkten Vermögens.
Insgesamt beziffern die Unterlagen Epsteins Vermögen auf:
Zum Stichtag 28. Februar 2019 listeten die Dokumente noch rund 48 Millionen Dollar bei der Deutschen Bank auf, verteilt auf 14 Vermögenswerte.
Neben Bankguthaben verfügte Epstein laut den Unterlagen über umfangreiche Sachwerte. Dazu zählten unter anderem:
Sein Gesamtvermögen wuchs trotz seiner Verurteilung im Jahr 2008 wegen Missbrauchs einer Minderjährigen weiter an. Die 13-monatige Haftstrafe schadete seinen finanziellen Aktivitäten offenbar nicht nachhaltig.
Brisant sind Hinweise auf Zahlungen an „scheinbar ausländische Models“, die in bankinternen Präsentationen für die Staatsanwaltschaft aufgeführt wurden. Laut veröffentlichten Berichten handelte es sich um Überweisungen in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar, deklariert unter anderem als „Miete“, „Studiengebühren“ oder „Reisen“.
Diese Transaktionen stehen im Kontext der späteren Ermittlungen wegen Menschenhandels und sexueller Ausbeutung. Epstein wurde im Juli 2019 erneut festgenommen und starb im August desselben Jahres in Untersuchungshaft in New York.
Die Geschäftsbeziehung hatte für die Deutsche Bank erhebliche Konsequenzen. 2020 verhängte der US-Bundesstaat New York eine Strafe in Höhe von 150 Millionen Dollar wegen „erheblicher Compliance-Verstöße“ im Zusammenhang mit Epstein.
Die Aufsichtsbehörde warf der Bank vor, trotz Kenntnis von Epsteins krimineller Vergangenheit verdächtige Transaktionen nicht ausreichend geprüft oder unterbunden zu haben.
Vorstandschef Christian Sewing räumte öffentlich ein, dass die Aufnahme Epsteins als Kunde 2013 ein Fehler gewesen sei. Die Bank erklärte mehrfach, sie habe seither ihre Kontrollen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität deutlich verschärft, in Compliance-Strukturen investiert und Prozesse überarbeitet.
Der Fall Epstein wurde für die Deutsche Bank zu einem Lehrstück über Reputationsrisiken im Private Banking. Die Affäre fiel in eine Phase intensiver regulatorischer Beobachtung und verstärkte den Druck auf die internen Kontrollsysteme des Instituts.
Die nun veröffentlichten Finanzaufstellungen unterstreichen das Ausmaß der Geschäftsbeziehung – und erinnern daran, wie eng finanzielle Transaktionen, Aufsichtspflichten und Reputationsrisiken miteinander verknüpft sind.
Der Fall bleibt damit nicht nur ein juristisches Kapitel, sondern auch ein regulatorisches.




