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Warren Buffett: Vorsichtiger Rückzug aus dem Aktienmarkt trotz hoher Cash-Reserven

Quelle: eulerpool

Warren Buffett zieht sich mit Berkshire Hathaway angesichts hoher Aktienbewertungen und geringer Renditeerwartungen aus dem Markt zurück.

Berkshire Hathaway hat derzeit über 325 Milliarden US-Dollar in Cash und Äquivalenten angehäuft – die größte Bargeldreserve des Unternehmens. Ein Großteil davon ist in kurzfristigen Treasury Bills investiert, was Analysten als Zeichen für eine zunehmende Vorsicht des 94-jährigen Warren Buffett deuten. Während Buffett weiterhin große Investitionen in US-Unternehmen hält, hat er in den letzten Monaten massiv Aktienbestände, darunter Apple und Bank of America, verkauft und auch den Aktienrückkauf von Berkshire eingestellt.

Dieser konservative Kurs erinnert an frühere Entscheidungen Buffets, wie 1969, als er wegen einer „überhitzten“ Marktphase seine Beteiligungsgesellschaft auflöste, und vor der Finanzkrise 2008, als er ebenfalls Bargeld anhäufte, um später von günstigen Gelegenheiten zu profitieren. „Buffett kennt die Marktschwankungen und deren Extreme“, sagt Adam J. Mead, Autor einer umfassenden Finanzgeschichte über Berkshire.

Aktuelle Prognosen bestätigen die verhaltene Haltung. Goldman Sachs erwartet, dass der S&P 500 in den nächsten zehn Jahren nur 3 % pro Jahr zurücklegt, weit unter dem historischen Durchschnitt. Auch Vanguard und Nobelpreisträger Robert Shiller gehen von einem begrenzten Wachstum der US-Aktien aus. Diese Renditeprognosen liegen sogar unter dem aktuellen Ertrag von Treasury Bills, was Berkshire dazu bewegen könnte, mehr Kapital in Staatsanleihen als in den Aktienmarkt zu lenken.

Trotz hoher Cash-Bestände ist Buffetts strategisches Ziel weiterhin der Kauf „großartiger Unternehmen“ in der Größenordnung von 50 bis 100 Milliarden Dollar, um das Wachstum von Berkshire voranzutreiben. „Wir würden gerne große Unternehmen kaufen“, betonte er auf der Hauptversammlung 2023. Deals in der Größenordnung früherer Übernahmen wie Burlington Northern (2010) oder General Re (1998) könnten angesichts der heutigen Unternehmensgröße notwendig werden.

Der sogenannte „Buffett-Indikator“, der das Verhältnis der gesamten US-Marktkapitalisierung zur Wirtschaftsleistung misst, steht derzeit bei rund 200 % – ein Niveau, das zuletzt vor der Dotcom-Blase erreicht wurde. Dies könnte ein weiteres Argument für Buffetts Zurückhaltung sein. „Er wartet auf eine Gelegenheit und hält das Pulver trocken“, meint Mead.

Das rekordhohe Cash-Polster und die Zurückhaltung bei neuen Großinvestitionen legen nahe, dass Buffett und Berkshire die Chancen im gegenwärtigen Marktumfeld als begrenzt ansehen. Anleger könnten sich fragen, ob es Zeit für Vorsicht ist – und ob Berkshire angesichts seiner Größe künftig vermehrt Kapital durch Dividenden an seine Aktionäre zurückführen muss.