Aktionäre fordern mehr – Großübernahme droht zu scheitern, wenn der Preis nicht stimmt
In der heißen Schlussphase eines milliardenschweren Übernahmeangebots geraten Verizon und Frontier Communications unter enormen Druck: Einige der größten Aktionäre von Frontier, einem der führenden US-Glasfasernetzbetreiber, fordern eine saftige Preissteigerung von mindestens 30 Prozent. Die Spannung steigt – und nächste Woche steht eine wegweisende Aktionärsversammlung bevor, die über das Schicksal dieses 20-Milliarden-Dollar-Deals entscheiden wird.
Für Verizon, einen der größten Telekommunikationskonzerne der Welt, könnte der Kauf von Frontier die Tür zur Dominanz im US-Glasfasermarkt aufstoßen. Doch die Bedingungen des Deals stoßen bei einigen Großinvestoren auf Skepsis. Hintergrund sind neue Bewertungsmaßstäbe, die durch die jüngste Übernahme des kanadischen Telekommunikationsriesen BCE ins Spiel kamen. BCE zahlte diese Woche 3,6 Milliarden Dollar für Ziply, einen kleineren, aber ähnlich aufgestellten Glasfasernetzbetreiber. Die Bewertungen dieses Deals werfen für Frontier-Investoren Fragen auf, ob Verizons Angebot wirklich fair ist.
„Frontier hat großes Potenzial für nachhaltiges Wachstum im Glasfasermarkt – ein Zukunftsmarkt, der durch steigende Datenmengen und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz stark wachsen wird“, argumentieren Vertreter von Glendon Capital Management und Cerberus Capital Management, zwei Investoren, die zusammen rund 17 Prozent der Frontier-Aktien halten. Auch der größte Anteilseigner von Frontier, Ares Management, schweigt bisher zur Frage, wie es abstimmen wird, was die Spannung zusätzlich anheizt.
Ein hoher Preis für Verizons Zukunftsvision
Für Verizon ist das Angebot von 38,50 Dollar pro Frontier-Aktie zwar ein stolzes Plus von 44 Prozent gegenüber dem Aktienkurs vor der Offerte – aber für einige Investoren scheint das nicht genug. Für sie ist klar, dass Frontier durch den Ausbau des Glasfasernetzes erheblich an Wert gewinnen kann, sodass 50 Dollar pro Aktie realistischer erscheinen. Doch Verizon bleibt hart und stellt klar: Das Angebot ist fair und wird nicht erhöht.
Ein Schachzug von Frontier: Rückkehr in die Eigenständigkeit?
Sollten die Aktionäre dem Deal nicht zustimmen, kündigt Frontier an, sich wieder auf das Geschäft als unabhängiges Unternehmen zu fokussieren. Für die Investoren bedeutet dies eine Wahl zwischen Verizons Angebot oder einem unsicheren Weg, der hohe Chancen, aber auch Risiken birgt. Die Analysten sind gespalten: Nick Del Deo von MoffettNathanson warnt, dass die Aktionäre zwischen dem Cash-Angebot und den unberechenbaren Schwankungen einer Alleingang-Strategie abwägen müssen.
Eine neue Wendung erhielt das Drama kürzlich durch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis, die den Aktionären empfahlen, bei der Abstimmung zu pausieren – ein Schritt, der in der Praxis als Votum gegen das Angebot gewertet wird. Ihr Argument: Angesichts der Chancen auf einen höheren Preis und der noch langen Zeitspanne bis zum finalen Abschluss sei ein vorsichtiges Abwarten die bessere Wahl.
Alte Lasten, neue Chancen
Frontier ist in den letzten Jahren durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen: Nach einem riskanten Zukauf musste das Unternehmen 2020 Insolvenz anmelden. Seitdem hat es sich jedoch erholt und steht heute in einem stark wachsenden Markt wieder stabil da.
Der Verkaufsdruck kam erst durch den aktivistischen Hedgefonds Jana Partners auf, der Frontier in eine frühzeitige Verkaufsprüfung drängte. Der Anreiz: Der immense Bedarf an schnellen Glasfasernetzen, befeuert durch wachsende Datenlasten und die Anforderungen der Digitalisierung, sorgt für eine regelrechte Goldgräberstimmung.
Eine Wette auf die Zukunft
Frontiers Glasfasernetzwerke könnten sich im digitalen Zeitalter als unverzichtbare Infrastruktur erweisen, besonders wenn künstliche Intelligenz und Cloud-Anwendungen immer mehr Bandbreite benötigen. Verizon ist bereit, diese Wette einzugehen, doch zu welchem Preis? In einem Markt, der sich rapide wandelt, und einem Geschäft, das zwischen enormen Chancen und finanziellen Herausforderungen pendelt, wird die bevorstehende Abstimmung zeigen, wer bereit ist, das größere Risiko zu tragen.
„Es ist ein Spiel mit hohem Einsatz“, sagt eine Insider-Quelle über die Spannung rund um den Deal.



