Ein massiver Importanstieg vor Trumps Zollerhöhungen hat das US-BIP im ersten Quartal überraschend ins Minus gedrückt.
Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2025 zum ersten Mal seit drei Jahren geschrumpft. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten ersten Schätzwert des Bureau of Economic Analysis sank das inflationsbereinigte Bruttoinlandsprodukt um annualisierte 0,3 % – ein deutlicher Rückschlag im Vergleich zu den rund 3 % durchschnittlichem Wachstum der beiden Vorjahre.
Haupttreiber des Rückgangs waren explodierende Warenimporte: Diese legten um annualisierte 41,3 % zu – der stärkste Anstieg seit fast fünf Jahren. Der ungewöhnlich hohe Importwert vor Inkrafttreten neuer Zölle zog die Nettoexporte mit einem negativen Beitrag von 4,9 Prozentpunkten massiv nach unten. Damit verzeichnet die Handelsbilanz den höchsten negativen Einfluss auf das BIP seit Beginn der Aufzeichnungen.
Viele Unternehmen hatten offenbar ihre Bestellungen vorgezogen, um höheren Kosten durch die ab Mai geltenden Importzölle zu entgehen. Ein Teil dieser Güter floss direkt in die Lagerbestände: Der Aufbau der Unternehmenslager trug 2,25 Prozentpunkte zum BIP bei – der höchste Wert seit Ende 2021.
Konsumausgaben stiegen zwar um 1,8 % – der schwächste Zuwachs seit Mitte 2023 –, blieben damit aber immerhin über den Erwartungen. Besonders die Nachfrage nach Dienstleistungen sowie nach kurzlebigen Konsumgütern stützte die Entwicklung. Angesichts steigender Preise und schwächelnder Börsen zeigen sich jedoch erste Anzeichen von Zurückhaltung: Insbesondere niedrigere Einkommen spüren die Belastung durch die hohe Inflation.
Die Kerninflation zog im ersten Quartal auf annualisierte 3,5 % an – der höchste Wert seit einem Jahr. Das stellt die US-Notenbank vor neue Herausforderungen. Die Federal Reserve zeigt sich zurückhaltend bei Zinssenkungen, solange die Auswirkungen der Handelspolitik auf Preisniveau und Wachstum nicht klarer abschätzbar sind.
Auch die Unternehmensinvestitionen zeigten ein gemischtes Bild: Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen um starke 22,5 %, getragen vor allem durch verspätete Auslieferungen bei Boeing und einer starken Nachfrage nach IT-Ausstattung. Analysten sehen jedoch zunehmenden Druck auf die Investitionstätigkeit durch unsichere Rahmenbedingungen und schwächere Konsumentenstimmung.
Im Einzelhandel mehren sich die Warnsignale: Firmen wie Whirlpool und Tractor Supply berichten von zurückgehender Nachfrage bei höherpreisigen Produkten. Bei Carter’s Inc. sprach Finanzchef Richard Westenberger von einem „beispiellos schwierigen Marktumfeld in den letzten Monaten“.
Parallel zeigen die Frühindikatoren erste Bremsspuren auf dem Arbeitsmarkt: Laut ADP stieg die Zahl der Beschäftigten in privaten Unternehmen im April nur um 62.000 – der niedrigste Wert seit Juli 2024. Die offiziellen Arbeitsmarktzahlen werden am Freitag erwartet und dürften zusätzliche Hinweise auf den Zustand der US-Konjunktur liefern.
Trumps Handelsstrategie, die auf Zollerhöhungen als Mittel zur Stärkung der Industrie, zur Reduzierung des Handelsdefizits und zur Förderung der nationalen Sicherheit setzt, zeigt bislang eher dämpfende kurzfristige Effekte. Zwar wurde ein 90-tägiges Aussetzen einiger besonders strikter Maßnahmen verkündet, doch liegt die effektive Zollbelastung mit rund 23 % aktuell auf dem höchsten Stand seit über 100 Jahren.
Ob sich der erhoffte Strukturwandel zu mehr heimischer Produktion durchsetzen lässt, ist offen – kurzfristig scheinen die Wachstumsrisiken zu überwiegen.



