Donald Trump plant, die US-Ölindustrie durch Deregulierung anzukurbeln. Doch Analysten zweifeln: Wall Street bleibt hart, Rendite über Wachstum
Die US-Ölindustrie jubelt über Donald Trumps Rückkehr und seine Versprechen zur Deregulierung. Die Erwartungen an eine „Öl-Revolution“ sind hoch. Trump, der unlängst seine zweite Amtszeit angekündigt hat, spricht davon, die Ölproduktion zu entfesseln, Umweltauflagen zu kürzen und die USA zur größten „flüssigen Goldmine“ der Welt zu machen. „Wir haben mehr flüssiges Gold als jedes andere Land der Welt – mehr als Saudi-Arabien“, verkündete er siegessicher. Doch trotz Trumps „Bohr, Baby, Bohr“-Euphorie bremsen einige Brancheninsider die Vorfreude.
Ein Traum für die Ölindustrie – oder doch nicht?
Während die Ölindustrie die „Regulierungswelle“ der letzten Jahre unter Joe Biden gern hinter sich lassen würde, erwarten Experten keine massive Produktionssteigerung. Der Grund: Die Zeiten des schuldengetriebenen Bohrens sind vorbei. Unternehmen wie Halliburton und API sehen zwar Potenzial, wenn Umweltauflagen fallen und neue Fördergebiete wie der Golf von Mexiko und geschützte Landflächen zugänglich werden. Doch die Investoren, vor allem an der Wall Street, haben ein anderes Ziel: Kapitaldisziplin und Renditen.
Jeff Miller, CEO von Halliburton, äußerte sich dennoch optimistisch: „Das könnte nur positiv sein. Tatsächlich bin ich sehr optimistisch.“ Der Präsident des American Petroleum Institute, Mike Sommers, kündigte an, dass der „regulatorische Angriff“ der vergangenen Jahre nun ein Ende haben werde. Die von Biden eingeführten Abgasnormen und Schutzmaßnahmen für gefährdete Tierarten könnten bald Geschichte sein. Trump plant auch eine Senkung der Unternehmenssteuer und das Abschaffen von Bidens „Inflation Reduction Act“, einem umstrittenen Klimagesetz.
„Preis und Wall Street regulieren die Ölproduktion – nicht der Präsident“
Analysten, wie Jim Burkhard von S&P Global, geben sich skeptisch. „Preis und Wall Street sind die Regulatoren der US-Produktion, nicht der Präsident.“ Die Produktionsmenge hat während Bidens Amtszeit bereits Rekordhöhen erreicht – allein im August lag sie bei 13,4 Millionen Barrel pro Tag. Doch trotz Trumps Deregulierungsschub erwarten Experten nur eine leichte Steigerung auf 13,6 Millionen Barrel pro Tag bis 2025.
Doch Trump hat noch ein Ass im Ärmel: Geopolitik. Er hat angekündigt, den Druck auf den Iran zu erhöhen und neue Sanktionen gegen dessen Ölexporte zu verhängen. Diese Maßnahme könnte zwar kurzfristig die Ölpreise anheben, doch ein Zuviel an Angebot auf dem Markt könnte die Preise erneut in den Keller treiben. In seiner ersten Amtszeit bewies Trump bereits, dass er bereit ist, OPEC-Länder unter Druck zu setzen, um die Preise zu senken oder zu erhöhen – ganz nach Bedarf.
Das Dilemma der US-Schieferölbranche
Trump steht vor einer Herausforderung: Niedrige Ölpreise könnten die Verbraucher erfreuen, doch für die US-Schieferölindustrie wären sie verheerend. Diese Lektion lernte Trump bereits 2020, als er OPEC dazu drängte, die Produktion zu kürzen, um US-Ölfirmen vor der Insolvenz zu bewahren. Bob McNally, Präsident der Rapidan Energy Group und ehemaliger Energieberater der Bush-Administration, fasst das Dilemma treffend zusammen: „Niedrige Ölpreise mögen den Verbrauchern gefallen, aber sie schaden der US-Schieferölbranche.“
Selbst wenn Trump die Umweltschutzgesetze abbaut, erwarten Branchenkenner wie Paul Bledsoe, dass die großen Ölkonzerne weiter in saubere Energie und Emissionsreduktionen investieren werden. „Die öffentliche Erwartung und die Erwartungen der Investoren an Emissionsreduktionen verschwinden nicht, nur weil Donald Trump gewählt wurde.“
Die Hoffnung auf eine „Erlaubnisrevolution“
Ein heiß diskutiertes Thema in der Ölindustrie ist die Reform des Genehmigungswesens. Alan Armstrong, CEO des Pipeline-Riesen Williams, äußerte sich „sehr hoffnungsvoll“, dass mit der republikanischen Mehrheit im Kongress die jahrelangen Hindernisse im Genehmigungsprozess endlich nachhaltig beseitigt werden könnten.
Doch die Frage bleibt: Wird Trump die Versprechen halten, die er der US-Ölindustrie gemacht hat? Die Erwartungshaltung ist hoch, doch die Realität zeigt, dass die Ölbranche trotz Trumps Ambitionen weiterhin den Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage unterliegt. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Trump und die Ölindustrie wirklich in der Lage sind, das Ruder herumzureißen – oder ob sich das „Drill, Baby, Drill“-Mantra letztendlich als Wunschtraum entpuppt.



