Trump feiert sinkende Ölpreise, prüft Notfallpläne und droht Industrie mit Zwang – Frieden bleibt sein billigster Hebel.
Kaum hatte US-Präsident Donald Trump am Montagabend überraschend die Feuerpause zwischen Israel und Iran verkündet, feierte er die sofortige Wirkung auf die Märkte: Der Ölpreis sackte innerhalb eines Tages um fast zehn Dollar ab, Brent notierte zuletzt wieder knapp über 68 Dollar pro Barrel – ein Niveau, das Anleger noch vor wenigen Tagen angesichts der Eskalation im Nahen Osten für illusorisch hielten.
Doch hinter den Kulissen rüstet Washington für den Ernstfall: Schon Wochen vor den US-Luftschlägen auf Irans Nuklearanlagen und dem anschließenden Waffenstillstand hatte das Weiße Haus Notfallpläne geprüft, um einen Ölpreisschock abzufedern, sollte der Golf-Verkehr durch die Straße von Hormus ins Stocken geraten.
Diskutiert wurden eine gezielte Freigabe von Beständen aus der Strategic Petroleum Reserve – die nach massiven Abflüssen unter Präsident Biden auf nur noch gut 400 Millionen Barrel geschrumpft ist – ebenso wie Steuererleichterungen für Förderunternehmen und Ausnahmeregeln bei Kraftstoffvorschriften. Sogar der Rückgriff auf den Defense Production Act von 1950 steht im Raum: Mit diesem Instrument könnte Trump US-Firmen verpflichten, zusätzliche Mengen zu liefern oder bestehende Verträge zugunsten nationaler Interessen umzulenken.
Die Signalwirkung ist klar: Trump will auch im Wahljahr keine steigenden Spritpreise riskieren – zu groß ist der Einfluss von Öl- und Kraftstoffkosten auf die Inflation und damit auf die Kaufkraft amerikanischer Haushalte. „EVERYONE, KEEP OIL PRICES DOWN. I’M WATCHING!“, drohte er noch am Montag via Truth Social und forderte das Energieministerium auf: „DRILL, BABY, DRILL – and I mean NOW!!!“
Bislang gibt sich das Weiße Haus betont gelassen: Die Öllieferungen aus der Region laufen weiter stabil, ein akuter Engpass sei nicht zu erwarten, heißt es. Doch Branchenanalysten warnen, dass selbst ein umfassender Zugriff auf die strategischen Reserven den Ausfall von Millionen Barrel pro Tag aus dem Nahen Osten kaum kompensieren könnte.
Die US-Ölindustrie wiederum profitiert von Trumps Kurs: Mehr Förderlizenzen, weniger Regulierungsauflagen, kräftige Preisimpulse – ein Umfeld, das Investitionen begünstigt. Sollte der Präsident tatsächlich Sonderrechte aus dem Kalten Krieg aktivieren, wäre das ein markanter Eingriff in die Unternehmensfreiheit – für Trumps Stil aber typisch, wie Energieanalyst Kevin Book betont: „Er scheut keine drastischen Mittel, wenn er damit Kontrolle und Handlungsfähigkeit demonstrieren kann.“
Für den Moment spielt die Waffenruhe Trump in die Karten. Doch wie lange die fragile Ruhe zwischen Jerusalem und Teheran anhält, bleibt unklar – und damit auch, wie weit der Präsident seine Energie-Trumpfkarten wirklich ausspielen muss.



