Nach einem der heftigsten Abverkäufe der vergangenen Jahre zeigt die SAP-Aktie wieder Stärke. Auslöser der Turbulenzen waren enttäuschte Erwartungen an das Cloud-Geschäft. Für Aufmerksamkeit sorgt nun vor allem das Verhalten des Managements: Mehrere Vorstandsmitglieder nutzten den Kursrutsch für umfangreiche Aktienkäufe.
Die Veröffentlichung der Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 brachte für SAP zwar operativ starke Ergebnisse, sorgte an der Börse aber für Ernüchterung. Der Nettogewinn stieg auf 7,5 Milliarden Euro und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Entscheidend war für Investoren jedoch eine andere Kennzahl.
Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand wuchs währungsbereinigt um 25 Prozent und blieb damit unter der eigenen Zielvorgabe. Diese Kennzahl gilt als zentraler Frühindikator für die künftigen Abonnementumsätze im Cloud-Geschäft. Der Markt wertete die Abweichung als Zeichen einer nachlassenden Dynamik in einem strategisch entscheidenden Bereich.
Finanzchef Dominik Asam verwies auf die Komplexität großer Vertragsabschlüsse zum Jahresende sowie auf Besonderheiten bei öffentlichen Auftraggebern, durch die sich die Erfassung einzelner Deals verzögert habe. Vorstandschef Christian Klein betonte zugleich die wachsende Bedeutung von SAP Business AI, die bereits in einem Großteil der Cloud-Verträge enthalten sei. Die Sorgen vor einer temporären Wachstumsdelle ließen sich damit jedoch nicht vollständig zerstreuen.
Unmittelbar nach dem Kurssturz folgte ein Signal, das am Markt traditionell aufmerksam verfolgt wird. Mehrere Vorstandsmitglieder tätigten Eigengeschäfte und kauften SAP-Aktien in größerem Umfang.
Dominik Asam erwarb am 30. Januar 2026 insgesamt 6.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 169,18 Euro. Das Investitionsvolumen lag bei über einer Million Euro. Bereits einen Tag zuvor hatte Vorstandsmitglied Sebastian Steinhäuser 2.009 Aktien zu einem Kurs von 173,96 Euro gekauft.
Solche Managers Transactions gelten als Vertrauensbeweis, da sie darauf hindeuten, dass das Management die eigene Aktie nach dem Kursrutsch für unterbewertet hält. Die Käufe fielen in eine Phase, in der das Papier zeitweise mehr als 16 Prozent verloren hatte.
Parallel zu den Insiderkäufen kündigte SAP ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Innerhalb von zwei Jahren sollen eigene Aktien im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro erworben werden. Ein Teil davon ist für aktienbasierte Vergütungsprogramme vorgesehen, der größere Anteil soll direkt den Aktionären zugutekommen.
Das Programm unterstreicht den Anspruch des Konzerns, Kapitaldisziplin zu zeigen und die Attraktivität der Aktie zu erhöhen. Gleichwohl reagierte der Markt zunächst empfindlich. Analysten verwiesen unter anderem auf Hinweise zu einer gesunkenen Zufriedenheit bei Bestandskunden, die kurzfristig für zusätzliche Skepsis sorgten.
Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt, aber überwiegend positiv aus. Goldman Sachs bestätigte eine Kaufempfehlung und sieht den fairen Wert deutlich oberhalb des aktuellen Kursniveaus. Andere Häuser wie Deutsche Bank, Morgan Stanley oder Berenberg senkten zwar ihre Kursziele, hielten aber an positiven Einschätzungen fest.
Eine Ausnahme bildet die DZ Bank, die den Titel auf Verkaufen herabstufte. Insgesamt bleibt der Konsens jedoch im positiven Bereich, gestützt durch die Erwartung, dass der Produktumsatz 2026 währungsbereinigt um 12 bis 13 Prozent wachsen soll.
Nach dem massiven Abverkauf zeigt sich die SAP-Aktie zum Wochenstart wieder fester. Im XETRA-Handel notiert sie zeitweise bei rund 173 Euro und legt damit spürbar zu.
Der Kursverlauf zeigt, wie sensibel der Markt inzwischen auf Abweichungen im Cloud-Geschäft reagiert. Gleichzeitig senden die Insiderkäufe und das Rückkaufprogramm ein klares Signal: Das Management rechnet nicht mit einer strukturellen Schwäche, sondern mit einer vorübergehenden Delle. Ob diese Einschätzung trägt, dürfte sich in den kommenden Quartalen entscheiden.



