Nach einer kräftigen Rally und einer spürbaren Konsolidierung haben sich die Aktien deutscher Rüstungsunternehmen zuletzt schwach entwickelt. Titel wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk gehörten in der vergangenen Woche zu den Schlusslichtern in ihren jeweiligen Indizes. Doch die Korrektur scheint die Einschätzungen vieler Analysten nicht grundsätzlich verändert zu haben. Im Gegenteil: Einige Häuser positionieren sich wieder offensiver – und sehen im Sektor sogar einen neuen Favoriten.
Das Analysehaus Jefferies nutzt die jüngsten Kursrücksetzer, um im Verteidigungssektor klare Akzente zu setzen. Neu an der Spitze der Favoritenliste steht Renk. Die Kaufempfehlung bleibt bestehen, das Kursziel liegt unverändert bei 75 Euro.
Analystin Chloe Lemarie erwartet Rückenwind vor allem durch weiter steigende Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa. Renk profitiert als Spezialist für militärische Antriebssysteme direkt von neuen Großaufträgen und Modernisierungsprogrammen der Streitkräfte. Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate sieht Jefferies das aktuelle Niveau wieder als attraktiven Einstiegspunkt.
Auch Rheinmetall bleibt für Jefferies ein Kauf. Das Kursziel wurde leicht auf 2.170 Euro angehoben. Der Konzern gilt weiterhin als einer der größten Profiteure der europäischen Aufrüstungswelle, insbesondere im Bereich Munition, gepanzerte Fahrzeuge und Landsysteme.
Rheinmetall ist für viele Analysten der strukturelle Gewinner der Zeitenwende in der Sicherheitspolitik. Die jüngste Konsolidierung wird eher als Verschnaufpause nach dem starken Lauf interpretiert denn als Trendbruch.
Deutlich vorsichtiger äußert sich Jefferies dagegen zu Airbus. Nach der starken Kursentwicklung stuft das Analysehaus die Aktie von Kaufen auf Halten zurück. Das Kursziel wurde auf 215 Euro gesenkt.
Belastend wirken aus Sicht der Analysten vor allem Währungseffekte sowie operative Risiken im zivilen Luftfahrtgeschäft. Im direkten Vergleich mit reinen Rüstungswerten bietet Airbus derzeit weniger Hebel auf steigende Verteidigungsbudgets.
Auch bei Hensoldt dreht die Stimmung langsam. Bereits in der vergangenen Woche hatte Morgan Stanley die Aktie von Underweight auf Equal-weight hochgestuft. Das Kursziel wurde von 78 auf 82 Euro angehoben.
Hensoldt profitiert insbesondere von der hohen Nachfrage nach Sensorik, Radar- und Elektroniklösungen. Die Investmentbank sieht nach der jüngsten Korrektur ein ausgewogeneres Chance-Risiko-Verhältnis, bleibt aber selektiv.
Top-Pick von Morgan Stanley im europäischen Rüstungssektor bleibt allerdings weiterhin Rheinmetall. Das Kursziel liegt dort deutlich höher bei 2.500 Euro.
Die jüngste Schwächephase im Rüstungssektor wird von Analysten zunehmend als gesunde Konsolidierung interpretiert. Die strukturellen Treiber – steigende Verteidigungsausgaben, geopolitische Unsicherheit und langfristige Modernisierungsprogramme – sind unverändert intakt.
Mit Renk rückt nun ein neuer Favorit in den Fokus, während Rheinmetall seine Rolle als Schwergewicht behauptet. Für Anleger zeigt sich: Nach der starken Rally entscheidet zunehmend die Einzeltitelauswahl – nicht mehr der Sektor als Ganzes.



