Ein demokratischer Wahlsieg in Texas sorgt für Aufsehen in Washington. Im traditionell republikanisch geprägten neunten Senatsbezirk des Bundesstaates hat sich der Demokrat Taylor Rehmet gegen die von Donald Trump unterstützte Kandidatin der Republikaner durchgesetzt. Das Ergebnis gilt parteiübergreifend als Warnsignal – vor allem für die Republikaner.
Taylor Rehmet gewann die Nachwahl um einen frei gewordenen Sitz im texanischen Senat und schlug die Republikanerin Leigh Wambsganss deutlich. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Rehmet mit mehr als 14 Prozentpunkten vorn. Der Bezirk rund um Fort Worth hatte bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch klar für Donald Trump gestimmt, mit einem Vorsprung von 17 Prozentpunkten.
Der Sieg reiht sich ein in eine Serie unerwarteter Erfolge der Demokraten bei Nachwahlen und lokalen Urnengängen seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus.
Der republikanische Präsident reagierte schnell – und auffällig defensiv. In seinem Anwesen Mar-a-Lago erklärte Trump, er sei in diese Wahl „nicht involviert“ gewesen. Es handle sich um einen lokalen Wahlkampf in Texas.
Diese Darstellung steht allerdings im Widerspruch zu seinen öffentlichen Äußerungen unmittelbar vor der Wahl. Einen Tag zuvor hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social die republikanische Kandidatin Leigh Wambsganss ausdrücklich gelobt, sie als „großartige Kandidatin“ bezeichnet und ihr seine volle Unterstützung zugesichert. In einem weiteren Beitrag rief er die Wähler im Bezirk zur Stimmabgabe auf und stellte Wambsganss als erfolgreiche Unternehmerin und überzeugte Anhängerin der Make-America-Great-Again-Bewegung dar.
Der Wahlausgang sorgt auch innerhalb der Republikanischen Partei für Unruhe. Der texanische Vizegouverneur Dan Patrick sprach offen von einem Weckruf. Die republikanische Wählerschaft dürfe nichts als selbstverständlich ansehen, schrieb er auf X. Man werde den Sitz bei der regulären Wahl im November mit neuem Einsatz zurückerobern.
Rehmet selbst, ein Gewerkschaftsführer und Veteran, deutete den Erfolg politisch. Der Sieg gehöre den arbeitenden Menschen, erklärte er vor seinen Anhängern. Damit setzte er bewusst einen Kontrapunkt zur republikanischen Kampagnenrhetorik.
Der Wahlsieg in Texas steht nicht isoliert. Bereits im März des vergangenen Jahres hatten Demokraten einen Bezirk in Pennsylvania gewonnen, den sie seit rund hundert Jahren nicht mehr gehalten hatten. Auch bei Wahlen im November konnten demokratische Kandidaten in mehreren Bundesstaaten von Maine bis Kalifornien zulegen.
Zusätzlich sorgte die Wahl von Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York City für Aufmerksamkeit. Mamdani ist ein offen bekennender demokratischer Sozialist, New York gilt jedoch traditionell als demokratische Hochburg.
Parallel zu den Wahlerfolgen der Demokraten zeigen Umfragen eine verhaltene Unterstützung für den Präsidenten. Einer landesweiten Erhebung zufolge liegt die Zustimmung zu Donald Trump aktuell bei rund 40 Prozent. Eine Mehrheit der Befragten lehnt seine Politik insbesondere in den Bereichen Außenpolitik, Einwanderung und Wirtschaft ab.
Kolumnisten und politische Beobachter werten die jüngsten Ergebnisse als Hinweis darauf, dass Trump nicht mehr automatisch als Zugpferd wirkt. Hans-Ulrich Jörges sprach zuletzt von einem möglichen Wendepunkt und erklärte, Trump habe seinen politischen Zenit überschritten.
Der nun von Rehmet gewonnene Senatssitz war frei geworden, nachdem der langjährige Abgeordnete Kelly Hancock zurückgetreten war. Hancock hatte den Wahlkreis über Jahre hinweg klar dominiert. Rehmet wird das Mandat jedoch zunächst nur bis Anfang Januar ausüben.
Bei der regulären Wahl im November kommt es zur Neuauflage des Duells mit Leigh Wambsganss. Dann wird über die volle vierjährige Amtszeit entschieden. Der aktuelle Wahlausgang dürfte diesen Urnengang deutlich stärker politisieren – weit über Texas hinaus.



