Microsoft liefert im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 solide Zahlen. Umsatz und Gewinn übertreffen die Erwartungen. Dennoch steht an der Börse weniger das operative Ergebnis im Fokus als eine andere Kennzahl: die Investitionen. Rekordausgaben für KI-Infrastruktur werfen die Frage auf, ob Tempo und Timing der Monetarisierung mit dem Kapitaleinsatz Schritt halten.
Der Umsatz kletterte im Quartal auf 81,27 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 16,7 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 4,14 US-Dollar und damit ebenfalls über den Prognosen. Die Reaktion des Marktes fiel dennoch verhalten aus.
Der Grund liegt in den Investitionen. Die Capex stiegen auf 37,5 Milliarden US-Dollar, rund 66 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ein Großteil davon fließt in Rechenzentren und KI-Kapazitäten. Anleger fürchten, dass die Ausgaben der Ertragsentwicklung in der Cloud vorauslaufen könnten. Nach der Zahlenvorlage am 28. Januar geriet die Aktie zeitweise unter Druck, zum Wochenschluss lag sie bei 435,31 US-Dollar.
Besonders genau blickten Investoren auf das Cloudgeschäft. Der Bereich Intelligent Cloud, zu dem auch Microsoft Azure gehört, wuchs um 28,8 Prozent auf 32,9 Milliarden US-Dollar. Operativ ist das ein starkes Wachstum, doch der Markt hatte auf eine noch stärkere Beschleunigung gehofft.
Die Sorge: Der massive Ausbau der Infrastruktur könnte kurzfristig höhere Margen belasten, während der Umsatzhebel erst zeitverzögert greift. In diesem Spannungsfeld wird jede Abweichung von sehr hohen Erwartungen sofort kritisch interpretiert.
Ein positives Signal kommt aus der Nachfrage. Microsoft hat einen Cloud-Vertrag über 750 Millionen US-Dollar mit dem KI-Start-up Perplexity abgeschlossen, das Azure-Infrastruktur nutzt. Der Deal deutet darauf hin, dass der Bedarf an KI-Rechenleistung hoch bleibt, auch wenn die Profitabilität dieser Phase noch diskutiert wird.
Nach den Zahlen passten mehrere Investmentbanken ihre Kursziele an, ohne ihre positive Grundhaltung aufzugeben. Barclays senkte das Kursziel von 610 auf 600 US-Dollar und verwies darauf, dass sich das Azure-Wachstum kurzfristig kaum weiter beschleunigen lasse. Das Rating blieb bei Overweight.
JPMorgan Chase reduzierte das Kursziel von 575 auf 550 US-Dollar, ebenfalls bei Overweight. Als Gründe nannten die Analysten anhaltende Kapazitätsengpässe. Goldman Sachs sieht den fairen Wert weiter bei 600 US-Dollar, während Jefferies mit 675 US-Dollar am optimistischsten bleibt.
Der Konsens liegt weiterhin im Buy-Bereich. Das durchschnittliche Kursziel von rund 611 US-Dollar zeigt, dass viele Analysten Microsoft langfristig deutlich höher bewerten als aktuell.
Für die Aktie wird in den kommenden Wochen entscheidend sein, ob Microsoft die hohen KI-Investitionen überzeugend in schnelleres Cloudwachstum und klare Ertragshebel übersetzen kann. Solange die Ausgaben schneller steigen als die sichtbare Monetarisierung, bleibt die Nervosität hoch.
Gelingt es dem Konzern jedoch, die Nachfrage nach KI-Services zügig in Umsatz und Margen zu verwandeln, könnten sich die aktuellen Capex im Rückblick als strategischer Vorteil erweisen. Genau diese Wette müssen Anleger derzeit eingehen – und entscheiden, ob sie die Milliardeninvestitionen als Belastung oder als Fundament für die nächste Wachstumsphase sehen.



