Die Lust auf Bier lässt weiter nach. Der Bierabsatz in Deutschland ist 2025 so stark eingebrochen wie seit Beginn der Statistik Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Neben der schwachen Konsumstimmung verändern auch langfristige Trends das Trinkverhalten – mit klaren Folgen für die Brauwirtschaft.
Nach Angaben des Statistisches Bundesamt setzten deutsche Brauereien im vergangenen Jahr nur noch rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab. Das entspricht einem Rückgang von 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals sank der Absatz damit unter die Marke von acht Milliarden Litern.
Der Einbruch markiert nicht nur ein schwaches Einzeljahr, sondern bestätigt einen langfristigen Abwärtstrend. Vor zehn Jahren lag der Bierabsatz in Deutschland noch fast zwei Milliarden Liter höher.
Aus Sicht der Branche ist der Rückgang kein reines Preis- oder Wetterphänomen. Der Deutscher Brauerbund verweist auf eine Mischung aus strukturellen und konjunkturellen Faktoren. Ein gesünderer Lebensstil, veränderte Trinkgewohnheiten und eine zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher belasteten den Absatz.
Hauptgeschäftsführer Holger Eichele erklärt, die Brauereien spürten ähnliche Effekte wie Handel und Gastronomie. Viele Konsumenten hielten sich bei nicht notwendigen Ausgaben zurück, wozu Bier zunehmend gezählt werde.
In der amtlichen Absatzstatistik nicht enthalten sind alkoholfreie Biere. Gerade sie entwickeln sich jedoch gegen den Trend. Nach Angaben des Brauerbundes sind alkoholfreie Biere die am schnellsten wachsende Sorte auf dem deutschen Biermarkt.
2025 überschritten sie erstmals die Marke von zehn Prozent Umsatzanteil im Handel. Damit gewinnen sie eine wirtschaftliche Bedeutung, die für viele Brauereien inzwischen strategisch relevant ist. Der Trend zu weniger Alkohol, etwa durch Initiativen wie den „Dry January“, verschiebt die Nachfrage spürbar.
Nicht profitieren konnten Biermischgetränke. Ihr Absatz sank 2025 um 5,2 Prozent auf 402 Millionen Liter. Damit setzt sich auch hier eine schwächere Entwicklung fort, nachdem das Segment lange Zeit als Wachstumsfeld gegolten hatte.
Der Großteil des deutschen Biers wird weiterhin im Inland verkauft. 82,5 Prozent des Absatzes entfielen 2025 auf den heimischen Markt. Dort ging der Absatz um 5,8 Prozent zurück. Exporte konnten die Verluste somit nur begrenzt abfedern.
Der stärkste Absatzrückgang seit mehr als drei Jahrzehnten unterstreicht, wie tiefgreifend sich der Biermarkt verändert. Klassisches alkoholhaltiges Bier verliert kontinuierlich an Bedeutung, während alkoholfreie Varianten Marktanteile gewinnen.
Für die Brauereien bedeutet das einen strategischen Umbau. Wer sich allein auf traditionelle Sorten verlässt, gerät unter Druck. Wachstum entsteht zunehmend dort, wo Bier nicht mehr als Alkoholprodukt, sondern als Lifestyle-Getränk positioniert wird.



