Eine neue Umfrage zeigt: Anleger wollen echte Nachhaltigkeit statt Etikettenschwindel – und wünschen sich verbindliche Mindestquoten, Ausschlusskriterien und staatliche Kontrolle.
Nachhaltige Finanzprodukte boomen – doch die Geduld der Verbraucher mit schwammigen Definitionen scheint am Ende. Eine aktuelle Bafin-Umfrage unter 1.528 Personen zeigt: Zwei Drittel der Deutschen interessieren sich für nachhaltige Geldanlagen, knapp ein Drittel hat bereits investiert.
Aber: Die Mehrheit traut den aktuellen Labeln nicht. Verbraucher fordern Klarheit, Kontrolle und Konsequenz.
Rund 65 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Menschenrechtsverletzungen kategorisch ausgeschlossen werden. Mehr als die Hälfte fordert dasselbe für Kohle, Waffen und andere umstrittene Branchen.
Beim Anteil nachhaltiger Investments zeigen sich Anleger erstaunlich anspruchsvoll:
Die Bafin ließ auch mögliche Produktkategorien testen – mit einem deutlichen Ergebnis:
Damit schicken Verbraucher eine klare Botschaft an Anbieter und Politik: „Nachhaltig“ ist nicht alles, was sich so nennt. Besonders Artikel-8-Fonds, die von Banken oft als grün vermarktet werden, genießen kaum Vertrauen.
97 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen über die Nachhaltigkeit ihrer Geldanlagen – 60 Prozent wollen diese Angaben vor Vertragsabschluss klar und verständlich präsentiert bekommen.
Die derzeit übliche, regulatorisch überladene Abfrage („Wollen Sie in Ihrem Finanzprodukt ökologisch nachhaltige Investitionen gemäß der Taxonomie-Verordnung ...?“) fällt durch: Nur 29 Prozent halten sie für verständlich.
Zudem empfinden 70 Prozent es als irreführend, wenn Fonds zwar als nachhaltig beworben werden, aber keine Angaben zu nicht nachhaltigen Anteilen machen.
Verbraucher setzen beim Thema Nachhaltigkeit nicht auf Selbstverpflichtung, sondern auf Aufsicht:
Während Finanzberater über zu viel Regulierung und Papierkram klagen, zeigt die Bafin-Studie: Anleger wünschen sich nicht weniger Regeln – sondern bessere.
Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Reform der Offenlegungsverordnung (SFDR), um Nachhaltigkeitsinformationen einfacher und glaubwürdiger zu machen. Die Umfrage liefert ihr ein deutliches Mandat:
Die Menschen wollen echte Nachhaltigkeit, keine Marketingbegriffe.
Und sie wollen, dass der Staat hinschaut – nicht erst, wenn das Geld schon falsch angelegt wurde.




