Milliardenrunden für Parloa und Quantum Systems befeuern Zuversicht bei Investoren – Europa rückt ins Innovationszentrum.
Mit Parloa und Quantum Systems erreichen Anfang Mai zwei deutsche Start-ups eine Bewertung von über einer Milliarde Dollar – ein seltenes Signal im aktuellen Finanzierungsumfeld. Die Berliner KI-Plattform Parloa und der Münchener Drohnenhersteller Quantum Systems sichern sich jeweils dreistellige Millionensummen. Beide Unternehmen gelten als strategisch positioniert: Parloa im boomenden Markt für Automatisierung durch Sprach-KI, Quantum Systems an der Schnittstelle von Verteidigung und Autonomie.
Die beiden Megarunden setzen ein Zeichen: Trotz konjunktureller Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen bleibt die deutsche Start-up-Szene kapitalfähig – und zunehmend selbstbewusst. Das belegt auch eine aktuelle Umfrage des Handelsblatts unter den zehn größten deutschen Venture-Capital-Gesellschaften. Ihr Fazit: Die Risikobereitschaft bleibt hoch, auch weil Europa wirtschaftspolitisch stärker auf Eigenständigkeit setzt.
Die USA verlieren dabei teils an Strahlkraft. UVC Partners etwa sieht bei Portfoliofirmen zunehmend Skepsis gegenüber einer Expansion in die Vereinigten Staaten. Stattdessen rückt Europa als Innovationsstandort wieder in den Fokus – nicht zuletzt durch gezielte industriepolitische Programme und ein wachsendes Interesse amerikanischer Fachkräfte, wie etwa Climatetech-Investor Aenu berichtet. „Es gibt erste Anzeichen, dass US-Talente nach Europa kommen oder für europäische Firmen arbeiten wollen“, so Aenu-Mitgründer Fabian Heilemann.
Wachstumstreiber bleiben vor allem KI und Verteidigung. Laut Pitchbook haben sich die Investitionen in Defense-Tech im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr auf 10,6 Millionen Euro verdoppelt. KI-Start-ups verzeichnen ein Plus von 60 Prozent. Auch laut KfW ziehen die Gesamtinvestitionen im deutschen Start-up-Markt wieder an.
Cherry Ventures hat gerade 500 Millionen Dollar eingesammelt, HV Capital investiert weiter auf hohem Niveau, etwa in das Münchener Robotik-Start-up Arx Robotics. Selbst zurückhaltendere Akteure wie Earlybird sehen wachsende Chancen. Mitgründer Hendrik Brandis nennt den „Weckruf“ durch die US-Politik unter Trump als Grund für einen politischen Kurswechsel in Europa, der technologische Souveränität nun strategisch priorisiere.
Gleichzeitig fordern Investoren bessere Bedingungen für Deeptech. Thomas Oehl von Vsquared Ventures verweist auf europäische Champions wie Isar Aerospace oder IQM. „Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit diese Firmen hier genauso gute, wenn nicht bessere Bedingungen finden als anderswo.“
Doch nicht alles ist rosig. Der Mangel an Börsengängen bleibt ein Bremsklotz. Zudem beklagen VCs die zögerliche Investitionsbereitschaft großer Unternehmen. Dennoch ist der Tenor eindeutig: In Zeiten der Unsicherheit entstehen oft die besten Gründungen. „Wir sind bereit, die erste Billionen-Dollar-Firma Europas mitzufinanzieren“, so Cherry-Ventures-Mitgründer Christian Meermann.



