Ein massiver Nachfrageeinbruch trifft Bekleidungshersteller, Fahrradbauer, Möbelproduzenten und Reiseanbieter. Eine KI-gestützte Analyse von Suchdaten zeigt, wo die Konsumzurückhaltung besonders stark ist – und welche Segmente noch Hoffnung bieten.
Im Dezember meldete der Hemden- und Blusenhersteller Eterna Insolvenz in Eigenverwaltung an. Zuvor hatten bereits Wormland, Adolf Riedl und Les Lunes aufgegeben. Mit Sympatex traf es jüngst einen weiteren Anbieter aus dem Bekleidungsumfeld. Rund 70 Mitarbeiter sind betroffen.
Die Modebranche steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und eine insgesamt schwache Nachfrage setzen zahlreiche Konsumsegmente unter Druck.
„Die Zahlen sind unmissverständlich“, analysieren Experten des Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal. Steigende Insolvenzen, fragile Lieferketten und zunehmende Skepsis von Investoren verschärften die Lage zusätzlich.
Besonders deutlich wird die Entwicklung in einer KI-gestützten Analyse des Datenspezialisten Hase & Igel. Das Unternehmen wertet Google-Suchanfragen aus, um Nachfrage-Trends frühzeitig zu erkennen. Die Annahme: Wer online nach bestimmten Produkten sucht, signalisiert mit hoher Wahrscheinlichkeit eine spätere Kaufabsicht.
Das Ergebnis für die Modebranche ist drastisch.
Seit 2022 gingen die Suchanfragen nach Damenbekleidung um rund 60 Prozent zurück. Für das erste Halbjahr 2026 prognostiziert das System einen weiteren Rückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Auch Herrenmode verzeichnet ein Minus von rund 50 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Schuhmarkt, der sich bislang stabiler zeigt.
„Der Absturz der Modebranche ist dramatisch und ohne Beispiel“, sagt Jan Schoenmakers, Geschäftsführer von Hase & Igel. Auffällig sei zudem ein Nord-Süd-Gefälle im Konsumverhalten – wobei die Verluste in beiden Regionen hoch ausfielen.
Auch der Fahrradmarkt, der während der Corona-Jahre stark gewachsen war, kämpft inzwischen mit Überkapazitäten. Zwischen 2020 und 2022 stieg der Branchenumsatz laut dem europäischen Industrieverband Conebi deutlich an.
Doch die Nachfrage kühlte bereits ab 2022 spürbar ab. Hersteller wie Canyon kündigten an, jede vierte Stelle in Deutschland abzubauen. Auch das Leasingunternehmen Jobrad reduziert Personal.
Die KI-Analyse zeigt seit 2022 kontinuierlich sinkende Suchanfragen nach Fahrrädern und E-Bikes. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang von rund fünf Prozent erwartet.
Ähnlich verläuft die Entwicklung im Möbelmarkt. Während der Pandemie investierten viele Verbraucher in ihr Zuhause. Inzwischen sind die Umsätze rückläufig.
Die deutsche Möbelindustrie setzte in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 4,3 Prozent weniger um als im Vorjahr. Branchenvertreter verweisen auf Konsumzurückhaltung und den schleppenden Wohnungsbau.
Auch hier zeigen die Suchdaten eine negative Tendenz. Für Tische, Schränke oder Küchen wird bis Juni ein Rückgang von etwa neun Prozent prognostiziert. Eine nachhaltige Erholung erwarten Branchenvertreter frühestens 2027 – parallel zu einer möglichen Belebung der Bautätigkeit.
Selbst der lange stabile Reisemarkt zeigt Schwäche. Die Nachfrage nach Pauschalreisen ist laut Analyse seit zwei Jahren um 27 Prozent gesunken. Besonders betroffen sind Discount-Anbieter. Einzelne Marken wie Alltours oder DerTour entwickeln sich jedoch gegen den Trend.
Auch das Outdoor-Segment verliert an Dynamik. Seit 2022 sanken die Suchanfragen nach Zelten, Wanderschuhen oder Outdoorjacken um rund 40 Prozent. Der frühere Trendmarkt scheint an Schwung verloren zu haben.
Während der Pandemie boomten Essens- und Lebensmittellieferdienste. Nun kühlt sich der Markt ab. Laut Hase & Igel gingen die Suchanfragen nach Lieferdiensten seit 2022 um etwa 30 Prozent zurück.
Besonders stark betroffen sind ländliche Regionen. In Metropolen wie Berlin und Hamburg bleibt die Nachfrage vergleichsweise stabil. Dennoch stellt sich für viele Anbieter die Frage nach der langfristigen Profitabilität.
Trotz der insgesamt schwachen Konsumlage sehen die Analysten leichte positive Signale. Für das erste Halbjahr 2026 prognostiziert Hase & Igel erstmals seit Beginn der Wirtschaftskrise einen moderaten Nachfrageanstieg von knapp zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Impulse kommen demnach aus der Gastronomie, dem Kulturbereich sowie aus Gesundheitsdienstleistungen und Körperpflegeprodukten.
Die Gesamtentwicklung zeigt jedoch: Die Konsumzurückhaltung ist strukturell. Die Modebranche ist nur der sichtbarste Vorbote einer breiteren Abschwächung – und weitere Branchen könnten folgen, wenn sich Einkommenserwartungen, Inflation und Konsumklima nicht nachhaltig stabilisieren.




