Mario Greco warnt, Private-Equity-Modelle stoßen in Europas streng reguliertem Versicherungsmarkt auf strukturelle Grenzen und langfristige Widersprüche.
Mit milliardenschweren Übernahmen drängen US-Investmenthäuser wie Apollo und KKR zunehmend in den europäischen Versicherungsmarkt. Doch Mario Greco, Vorstandschef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich, hält ihre Expansionsstrategie für schwer übertragbar. „Ich bin mir nicht sicher, ob die gleiche Asset-Gathering-Philosophie, die sie in den USA verfolgen, hier funktioniert“, sagte er der Financial Times.
Die Warnung kommt inmitten einer Welle von Transaktionen: Im Juli übernahm der von Apollo gestützte Versicherer Athora für £5,7 Mrd. ein britisches Altersvorsorgegeschäft, nachdem frühere Expansionspläne in Europa ins Stocken geraten waren. Wenige Wochen später griff Brookfield zu und sicherte sich Just Group für £2,4 Mrd. Solche Deals stehen exemplarisch für den Versuch, die Versicherungsbilanzen als langfristige Kapitalquelle für alternative Investments zu nutzen.
Greco verweist jedoch auf regulatorische Hürden. Während Private-Equity-Fonds in den USA auf weniger strikte Regeln trafen, zwingt sie Europa in engere Korsetts. „In den USA war das Geschäftsmodell, über Kapitalregeln Assets zu akkumulieren. In Europa unterliegen sie strengen Auflagen – und versuchen trotzdem, Rendite allein über die Masse der Assets zu erzielen“, so der Zurich-Chef.
Zudem sieht Greco einen Zielkonflikt: Lebensversicherungen seien auf Jahrzehnte ausgelegt, Private Equity dagegen agiere im kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont. „Kunden kaufen Lebenslösungen für den langen Zeitraum. Sie wollen nicht hören, dass die Eigentümer ihrer Verpflichtungen wechseln“, warnte er.
Auch Apollo-Chef Marc Rowan räumte ein, dass europäische Regulierer das Wachstum bislang ausgebremst hätten. Zwar liefen Gespräche über eine „Liberalisierung“ von Verbriefungen und privatem Kapital an, doch konkrete Schritte stünden noch aus. Parallel arbeitet die EU-Kommission an einer Reform der Solvenz- und Kapitalregeln, die bis zu €90 Mrd. an Eigenkapital freisetzen könnte.
Für Zurich selbst war 2025 bislang ein Erfolgsjahr: Der Konzern meldete für das erste Halbjahr über den Erwartungen liegende Gewinne in Schaden/Unfall- wie im Lebensgeschäft. Gleichzeitig sucht er Käufer für ein $20 Mrd. schweres Lebensversicherungsportfolio – ein Verkauf an Viridium war 2024 an verschärfter Aufsicht gescheitert.



