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Airbus-Chef warnt vor geopolitischen Risiken und fordert strategische Eigenständigkeit

Quelle: eulerpool

Der Chef des europäischen Flugzeugbauers Airbus, Guillaume Faury, hat seine Belegschaft auf eine Phase wachsender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit eingeschworen. In einem internen Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, spricht Faury von „erheblichen logistischen und finanziellen Kollateralschäden“ infolge des US-Protektionismus und der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China. Zugleich fordert er mehr strategische Eigenständigkeit und einen stärkeren Fokus auf Profitabilität – mit Blick auf den nächsten großen Technologiewettlauf in der Luftfahrt ab den 2030er-Jahren.

„Der Beginn des Jahres 2026 ist geprägt von einer beispiellosen Anzahl an Krisen und beunruhigenden geopolitischen Entwicklungen“, schreibt Faury. Die industrielle Landschaft sei „von Schwierigkeiten durchzogen“, die durch die Konfrontation zwischen den USA und China weiter verschärft würden.

Konkret verweist der Airbus-Chef auf die Folgen der im vergangenen Jahr von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle und die darauffolgenden chinesischen Exportbeschränkungen, insbesondere bei Seltenen Erden. Zeitweise eingefrorene Lieferungen von Triebwerken und Schlüsselkomponenten hätten nicht nur den chinesischen C919-Jet betroffen, sondern auch die in China montierten Airbus-Modelle, die auf US-Bauteile angewiesen sind. Die Luftfahrt habe zwar teilweise Ausnahmen von den Zöllen erreicht, doch der Schaden sei bereits entstanden.

Trotz der handelspolitischen Turbulenzen bescheinigt Faury dem Konzern für 2025 insgesamt „gute Ergebnisse“. Besonders hebt er zwei Sparten hervor:

Die endgültigen Geschäftszahlen will Airbus am 19. Februar vorlegen.

Faury mahnt zugleich zu mehr operativer Disziplin. Nach dem größten Software-Rückruf der Unternehmensgeschichte im November und den jüngsten Verzögerungen wegen fehlerhafter Rumpfsektionen sei klar:
„Wir müssen unsere Systeme und Produkte rigoroser managen.“

Zwar hätten sich die Lieferketten seit der Pandemie insgesamt verbessert, blieben aber ein zentraler Risikofaktor. Besonders problematisch seien weiterhin die Triebwerkslieferungen von Pratt & Whitney und dem CFM-Joint-Venture von GE und Safran, die bei der A320-Familie wiederholt zu Verzögerungen geführt haben.

Strategisch richtet Faury den Blick bereits auf die nächste große Auseinandersetzung der Branche: die Entwicklung eines A320-Nachfolgers, der in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre in Dienst gestellt werden soll – parallel zu einem erwarteten neuen Boeing-Programm.

Um dafür gerüstet zu sein, müsse Airbus in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre profitables Wachstum erzielen und finanzielle Reserven aufbauen. Seine Metapher an die Belegschaft ist sportlich, aber eindeutig: Man müsse diese Phase in „olympischer Form“ erreichen.

Die Botschaft des Airbus-Chefs ist doppeldeutig: Einerseits lobt er die Widerstandsfähigkeit des Konzerns in einem von Handelskriegen und Lieferkettenstörungen geprägten Umfeld. Andererseits warnt er eindringlich vor einer neuen Qualität geopolitischer Risiken. Für einen Konzern, der sowohl zivile Verkehrsflugzeuge als auch militärische Systeme baut, wird die politische Weltlage selbst zu einem strategischen Faktor – mit direkten Auswirkungen auf Kosten, Lieferfähigkeit und langfristige Wettbewerbsposition.