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Ford in Europa: Marktanteil sinkt, strategische Optionen gefordert

Quelle: eulerpool

Ford verliert rapide Marktanteile in Europa – Experten sehen Verkauf, Partnerschaft oder Rückzug als realistische Optionen.

Mit einem Marktanteil von nur noch 3,5 Prozent bei Neuzulassungen in Deutschland hat Ford 2024 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Zwei Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 5 Prozent. Während das Nutzfahrzeuggeschäft stabil bleibt, verliert die Pkw-Sparte dramatisch an Boden – ein Trend, der sich nach Einschätzung von Branchenkennern weiter verschärfen dürfte.

Insbesondere der Kölner Standort steht im Zentrum der Krise. Dort beschäftigt der Konzern noch rund 11.500 Mitarbeitende – 2018 waren es fast doppelt so viele. Im Zuge eines 2023 angekündigten Restrukturierungsprogramms sollen bis Ende 2027 allein in Deutschland rund 2900 Stellen wegfallen. Die Stimmung im Werk ist angespannt: Bei einer Urabstimmung votierten 93,5 Prozent der IG-Metall-Mitglieder für einen Arbeitskampf.

Der wirtschaftliche Hintergrund ist klar umrissen. Die jüngst gestartete Elektroautoproduktion in Köln bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Fahrzeuge – der Explorer und bald auch der Capri – basieren auf der MEB-Plattform von Volkswagen, was die Fertigungstiefe bei Ford reduziert. Das Resultat: geringe Margen und kaum Differenzierung. „Warum sollte ich für einen Ford das Gleiche zahlen wie für einen Volkswagen, wenn die Technik identisch ist?“, fragt Automobilforscher Stefan Bratzel.

Auch das Markenimage bereitet Schwierigkeiten. Der Versuch, Ford von seiner Verbrennervergangenheit im Niedrigpreissegment hin zu einem höherwertigen Anbieter zu transformieren, ist bislang gescheitert. Die Listenpreise der neuen Stromer starten bei knapp 40.000 Euro – ein Segment, das bereits dicht besetzt ist. Gleichzeitig drängen chinesische Anbieter mit aggressiven Preisen und solider Technik auf den Markt.

Für Ford ergibt sich daraus eine strategische Zwickmühle. Der Bochumer Autoökonom Ferdinand Dudenhöffer sieht kaum Spielraum für ein profitables Pkw-Geschäft in Europa. Als denkbare Auswege nennt er den Komplettverkauf der Europa-Sparte oder die Gründung eines Joint Ventures – etwa mit Renault –, um Skaleneffekte zu realisieren.

Alternativ müsste der US-Mutterkonzern laut Bratzel endlich entschlossen investieren. Die bislang zugesicherten Investitionen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro reichen nicht aus, um Marktanteile zurückzugewinnen oder die Marke neu zu positionieren. Notwendig wäre ein milliardenschwerer Kraftakt – doch die bisherigen Signale aus Dearborn bleiben vage.

Die Lage erinnert nicht zufällig an General Motors, das 2017 mit dem Verkauf von Opel an PSA die Reißleine zog. Doch bei Ford ist die Lage komplexer: Die Verflechtung mit dem rentablen Nutzfahrzeuggeschäft macht einen klaren Schnitt schwieriger – aber nicht unmöglich.