Der Weltfußballverband wollte innovativ sein, digitaler, lukrativer – und gerät nun ins Visier der Aufsichtsbehörden. Mit einem auf der Blockchain basierenden Ticketsystem wollte die Fifa zusätzliche Erlöse aus der Fußball-WM 2026 generieren. Doch was als technologische Zukunftslösung verkauft wurde, könnte sich als rechtliches Minenfeld entpuppen. In Deutschland ermittelt die Glücksspielaufsicht, in der Schweiz ist das Angebot nach einer Strafanzeige bereits vom Netz.
Über die Plattform „Fifa Collect“ vermarktet der Verband sogenannte Right-to-buy-Token. Käufer erwerben dabei kein Ticket, sondern ein digitales Anrecht, bei bestimmten WM-Spielen vorab Karten erwerben zu dürfen. Das Versprechen: exklusive Chancen, begrenzte Kontingente, handelbare Rechte – und damit potenziell steigende Preise.
Technologisch basiert das System auf der Blockchain, ökonomisch erinnert es an ein Lotterie- oder Auktionsmodell. Genau hier setzen nun die Bedenken der Behörden an.
Nach Recherchen des manager magazins prüft die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, ob das Modell gegen deutsches Glücksspielrecht verstößt. Der Vorgang liegt seit Anfang Januar 2026 im Ressort „Bekämpfung unerlaubtes Glücksspiel und Werbung“. Grundlage der Untersuchung ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021, der Glücksspiele, glücksspielähnliche Produkte und deren Bewerbung streng reguliert.
Eine Sprecherin der Behörde bestätigte, dass derzeit geprüft werde, ob das Token-Angebot als erlaubnispflichtiges Glücksspiel einzustufen sei. Entscheidend ist dabei, ob der Erwerb der Token primär vom Zufall abhängt und ob ein entgeltlicher Einsatz mit Gewinnchance vorliegt – Kriterien, die im deutschen Recht sehr weit ausgelegt werden.
Während in Deutschland noch geprüft wird, ist man in der Schweiz bereits einen Schritt weiter. Dort wurde nach einer Strafanzeige das Angebot vorläufig offline genommen. Auch hier steht der Verdacht im Raum, dass die Token-Struktur eher einem Glücksspiel als einem reinen Vorverkaufsinstrument entspricht.
Für die Fifa ist das besonders heikel, weil der Verband seinen Sitz in Zürich hat und sich bislang gerne auf die dortige regulatorische Stabilität berufen hat.
Für Fifa-Präsident Gianni Infantino kommt der Vorgang zur Unzeit. Der 55-Jährige hatte die WM 2026 als wirtschaftliches Großprojekt positioniert, das neue digitale Erlösmodelle erschließen soll – von NFTs über Fan-Token bis hin zu blockchainbasierten Ticketrechten. Die Right-to-buy-Token sollten nicht nur zusätzliche Einnahmen generieren, sondern auch die Kontrolle über den Zweitmarkt stärken.
Nun droht genau dieses Modell zum rechtlichen Risiko zu werden. Sollte das System in zentralen Märkten wie Deutschland als unerlaubtes Glücksspiel eingestuft werden, müsste die Fifa es einstellen oder grundlegend umbauen. Das würde nicht nur Einnahmen kosten, sondern auch das Vertrauen in die digitale Strategie des Verbands erschüttern.
Der Fall reicht über die Fifa hinaus. Er berührt eine Grundsatzfrage: Wo endet digitales Fan-Engagement, und wo beginnt regulierungspflichtiges Glücksspiel? Wenn exklusive Zugangsrechte, künstliche Verknappung und handelbare Token zusammenkommen, verschwimmen die Grenzen zwischen Ticketverkauf, Finanzprodukt und Wette.
Die Prüfung der deutschen Glücksspielbehörde könnte damit Präzedenzcharakter haben – nicht nur für den Weltfußball, sondern für den gesamten Sport- und Entertainmentmarkt, der zunehmend mit Krypto-Mechaniken experimentiert.
Für die Fifa gilt vorerst: Das Spiel um zusätzliche Milliarden ist eröffnet. Doch diesmal entscheidet nicht der VAR, sondern das Verwaltungsrecht.



