Europäische Märkte profitieren von fiskalischen Impulsen, schwachem Dollar und Investoren, die sich von den USA abwenden.
Europäische Aktien haben in der ersten Jahreshälfte 2025 ihre US-Pendants in Dollar gerechnet so deutlich übertroffen wie nie zuvor. Der Stoxx Europe 600 liegt rund 13 Prozent vor dem S&P 500, getrieben von einem erstarkten Euro, wachsenden Staatsausgaben und geldpolitischer Lockerung der Europäischen Zentralbank.
Besonders der Euro hat an Zugkraft gewonnen. Seit Jahresbeginn legte er um 13 % gegenüber dem US-Dollar zu – angetrieben durch fiskalische Impulse aus Berlin und Paris sowie die schwindende Attraktivität von US-Staatsanleihen unter dem Eindruck neuer Zölle und wachsender Defizite. Deutsche Bundesanleihen übertrafen seit April sogar US-Treasuries, obwohl Berlin zusätzliche Schulden plant.
Ein Grund für die Trendwende: Investoren suchen zunehmend Zuflucht in Europa, während sich in den USA die Sorgen um Trumps Wirtschaftspolitik, Inflation und politische Unsicherheiten verdichten. Große Vermögensverwalter wie Allianz Global Investors oder Jupiter Asset Management verlagern Kapitalflüsse zurück nach Europa – sowohl in Aktien als auch in Anleihen.
Die Fiskalpolitik in Europa hat sich markant verändert. Nach jahrelangem Sparkurs hat Deutschland die Schuldenbremse gelockert, um massiv in Verteidigung und Infrastruktur zu investieren. Der wirtschaftspolitische Richtungswechsel schürt Zuversicht bei institutionellen Anlegern – trotz weiterhin bestehender regulatorischer und politischer Risiken.
Parallel dazu hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen in kurzer Zeit deutlich gesenkt. Im Gegensatz zur US-Notenbank, die bisher zögert, bleibt der Zinsabstand zwischen Euro- und Dollarraum bei rund zwei Prozentpunkten – was europäische Anlagen zusätzlich attraktiv macht.
In der Folge erleben europäische Aktienfonds hohe Zuflüsse: Seit Jahresbeginn flossen über 46 Milliarden US-Dollar in entsprechende Fonds – ein Trendbruch nach Abflüssen von 66 Milliarden im Vorjahr. Auch Anleihefonds mit Euro-Fokus ziehen Kapital an, während Dollar-Anlagen ins Hintertreffen geraten.
Die Bewertung europäischer Aktien liegt weiterhin rund 35 % unterhalb der US-Pendants. Doch mit steigenden Dividenden, zunehmenden Aktienrückkäufen und einer erwarteten Gewinnsteigerung von über 10 % in 2026 wächst das Interesse. Laut Goldman Sachs bieten europäische Titel bei Betrachtung der Gesamtrendite ein zunehmend überzeugendes Argument.
Ein weiteres Signal für den Umschwung: Laut einer Umfrage von Bank of America sind derzeit netto 34 % der Fondsmanager übergewichtet in Euro-Aktien, während 36 % untergewichtet in US-Aktien sind. Über die kommenden fünf Jahre sehen mehr als die Hälfte internationale Aktien als führende Anlageklasse – ein massiver Stimmungswechsel.
UBS prognostiziert, dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 1,2 Billionen Euro Kapital aus US-Aktien in europäische Märkte umgeschichtet werden könnten. Der Anteil internationaler Investoren am US-Aktienmarkt dürfte laut der Bank von 30 % auf 27 % fallen – eine strukturelle Bewegung, nicht nur taktische Rotation.




