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Digitalisierung des deutschen Schienennetzes: Kosten explodieren und Fertigstellung verzögert sich bis 2043

Quelle: eulerpool

Modernes, digitalisiertes Schienennetz für Deutschland verspätet und teurer – Investitionen rentabel erst ab 2064.

Die Digitalisierung des deutschen Schienennetzes verzögert sich erheblich und wird weitaus teurer als ursprünglich angenommen. Dies geht aus einem aktuellen Gutachten hervor, das von der Unternehmensberatung McKinsey, der Kanzlei Orth Kluth und dem Ingenieursdienstleister Emch+Berger im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt wurde.

Statt der 2018 geschätzten 28 Milliarden Euro werden die Kosten für die Digitalisierung der Bahninfrastruktur nun auf 69 Milliarden Euro veranschlagt. Auch die Kosten für die Ausrüstung der Züge sind erheblich gestiegen: von ursprünglich geschätzten 4 Milliarden Euro auf nunmehr 38 Milliarden Euro. Der Haupttreiber dieser Mehrkosten ist die Umrüstung der Züge mit Steuerungstechnik für den automatisierten Betrieb. Zudem sind die gestiegenen Baukosten und zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Netzzuverlässigkeit und Belastbarkeit für die Kostenexplosion verantwortlich.

Die umfassende Modernisierung zielt darauf ab, das Fahren weiter zu automatisieren sowie die Vernetzung von Infrastruktur und Fahrzeugen zu verbessern. Gleichzeitig soll die Kapazität der bestehenden Infrastruktur erhöht und die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnbetriebs durch intelligente Betriebsleittechnik gesteigert werden. Der Energiebedarf soll durch automatisiertes Beschleunigen und Bremsen gesenkt werden.

Obwohl die Investitionen hoch sind, hält das Gutachten sie langfristig für wirtschaftlich sinnvoll. Den Bruttoausgaben von 69 Milliarden Euro steht bis 2070 ein Nutzen von 102,5 Milliarden Euro gegenüber. Ein wesentlicher Teil dieses Nutzens ergibt sich aus Einsparungen bei den Personalkosten der DB Netz. Derzeit halten rund 14.000 Fahrdienstleiter den Betrieb aufrecht, oft noch mit veralteter Technik.

Die Digitalisierung des Schienenverkehrs wird jedoch nicht vor 2036 abgeschlossen sein, deutlich später als ursprünglich geplant. Erst bis 2043 soll das moderne Zugsteuerungssystem ETCS flächendeckend ausgerollt sein. Deutschland hat einen besonders großen Anteil an veralteten Stellwerken, die teilweise über 100 Jahre alt sind. Diese sind störanfällig und teuer in der Wartung, da Ersatzteile oft einzeln angefertigt werden müssen.

Das Gutachten kritisiert auch die mangelnde zentrale Steuerung der Digitalisierung des Schienenverkehrs. Es fehle an einer Gesamtkoordination unter der Oberaufsicht des Bundesverkehrsministeriums. Planung, Zulassung und Inbetriebnahme müssten dringend vereinfacht werden. Die Bahn-Tochter DB InfraGo soll ihre Strategie ändern und den Umbau auf digitale Leit- und Sicherungstechnik als ein umfassendes Softwareprojekt und nicht als eine Reihe einzelner regionaler Bauprojekte betrachten.

Zudem fehlt der Bahn Budget für Digitalisierungsvorhaben im Zeitraum von 2025 bis 2030, was das gesamte Projekt weiter verzögern oder teilweise zum Stillstand bringen könnte. Das ambitionierte Projekt »Digitale Schiene« könnte somit in seinem geplanten Umfang und Zeitrahmen gefährdet sein.