Überinvestitionen in der Industrie werden nicht durch Handelspartner ausgeglichen, mit ernsten Folgen im Inland.
Chinas Wirtschaftswachstum im ersten Quartal übertraf die meisten Prognosen und stieg im Jahresvergleich um 5,3%, angetrieben durch eine starke industrielle Produktion und Exporte. Diese Entwicklung zeigt jedoch auch die Schattenseiten auf: eine Überkapazität in der Industrie, die sich zunehmend als Bürde erweist.
Die Industrieproduktion, die im Januar und Februar noch zulegte, schwächte sich im März wieder ab: Sie stieg nur noch um 4,5% im Jahresvergleich, ein deutlicher Rückgang gegenüber den 7% der vorangegangenen Monate. Noch aussagekräftiger ist der Sturz der Auslastung der Fertigungskapazitäten auf 73,8% im ersten Quartal – der schwächste Wert abgesehen vom pandemiebeeinflussten ersten Quartal 2020 seit mindestens 2015. Obwohl das Exportvolumen im März fast ein 10-Jahres-Hoch erreichte, lag der Wert dieser Exporte nur knapp über dem Stand von Oktober.
Die Daten deuten darauf hin, dass die Preissetzungsmacht sowohl im Inland als auch im Ausland nachlässt und der Margendruck wahrscheinlich steigt. Die industriellen Finanzdaten vom März, die später in diesem Monat veröffentlicht werden, dürften daher besonders aufschlussreich sein.
Interessant ist auch die detaillierte Betrachtung der Daten zur Kapazitätsauslastung. Besonders deutlich war der Rückgang in den von Peking bevorzugten Sektoren wie Automobilbau und elektrische Ausrüstungen – den sogenannten „neuen produktiven Kräften“, einschließlich Elektrofahrzeuge, Chips und Solarpaneele, die in jüngsten Reden der Politik hervorgehoben wurden und die Sorgen westlicher Politiker schüren. Die Auslastung in der Automobilproduktion fiel im ersten Quartal unter 65%, weit unter dem vorherigen Tiefstand (abgesehen vom ersten Quartal 2020) von 69,1% Mitte 2016.
Chinas traditionelle Exportsektoren hingegen haben sich relativ gut gehalten. Die Auslastung in der Textilindustrie stieg im ersten Quartal, während die Auslastungsraten für Computer- und Kommunikationsausrüstung fielen, allerdings weniger stark.
Inzwischen hat sich die Kreditaufnahme der Wirtschaft – abgesehen von der Staatsanleiheemission – im März weiter abgeschwächt, trotz niedriger Zinsen und Anleiherenditen nahe mehrjährigen Tiefständen. Sollte der Margendruck einige der „neuen produktiven Kräfte“ dazu zwingen, ihre Investitionen zu drosseln, müsste die Fiskalpolitik eingreifen, um das Wachstum zu stützen.
Alternativ könnte China weiterhin seine überschüssigen Ersparnisse in neue Überkapazitäten in der Fertigung lenken – doch letztlich werden chinesische Banken und Peking, nicht nur Chinas Handelspartner, die Rechnung dafür bezahlen müssen.



