Es wirkt wie ein Symbolbild für die neue Ära der Mobilität: Am 14. September 2025 rast der dunkelrote Yangwang U9 Extreme über die 12,3 Kilometer lange Teststrecke in Papenburg. 496,22 km/h – Weltrekord. Ein Elektroauto aus China, gebaut von BYD, dem größten E-Autohersteller der Welt.
Zehn Jahre galt BYD als nahezu unantastbar: eigene Batterien, eigene Chips, niedrige Kosten, hohe Geschwindigkeit. Nun zeigt der Markt, dass selbst der Seriengewinner verletzlich ist. Die CPCA-Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Der größte E-Autobauer der Welt verliert sichtbar an Schwung – und das in dem Land, aus dem er seine Dominanz speist.
Der Markt dreht sich schneller, als selbst BYD mithalten kann. Neue Wettbewerber wie Aito, Leapmotor, Changan, Zeekr und Xiaomi drücken die Preise nach unten. Manche Modelle werden zu Preisen verkauft, die kaum die Produktionskosten decken.
BYD muss mitziehen – und gibt damit einen Teil seines größten Vorteils ab: Profitabilität durch Skaleneffekte.
Geringere Preise bedeuten geringere Margen. Die Folge für BYD:
Der Konzern hat in den vergangenen Jahren massive Kapazitäten aufgebaut und sich auf Produktionsvolumen in der Größenordnung von VW oder Toyota vorbereitet. Doch dafür müsste BYD jährlich Millionen zusätzliche Kunden gewinnen.
Die Realität:
Statt einer weiteren Million Zuwachs stehen 300.000 mehr Fahrzeuge in der Bilanz. Für BYD ist das ein Warnsignal.
Nach Jahren explosionsartiger Gewinnsteigerungen – zwischen 30 und 380 Prozent pro Jahr – erlebt BYD 2025 den ersten deutlichen Dämpfer:
Preisschlachten haben den Heimatmarkt ruiniert. Das lukrativere Auslandsgeschäft bleibt dagegen intakt – und wird nun zum Rettungsanker.
BYD wächst außerhalb Chinas stärker und verdient dort auch besser.
Der Auslandsanteil steigt:
Damit würde BYD im Ausland fast so viele Fahrzeuge verkaufen wie Audi weltweit. Viermal so viel wie noch 2024. Hundertmal so viel wie 2021.
Für VW, BMW und Mercedes bedeutet das nichts Gutes.
Während sie in China längst an Marktanteilen verlieren, werden sie künftig auch auf ihren wichtigsten Auslands- und Heimatmärkten häufiger auf BYD treffen – mit günstigeren Preisen, neuen Modellen und erheblich größerer Schlagkraft.
Die Ironie: Dass BYD in China schwächelt, verschärft den globalen Wettbewerb. Ein Konzern, der zu Hause weniger verdient, wird im Ausland umso aggressiver verkaufen. Mit niedrigeren Preisen, höheren Stückzahlen und einer Produktpalette, die europäische Hersteller in Tempo und Kostenstruktur kaum erreichen.
VW, BMW und Mercedes verlieren den wichtigsten Markt der Welt – und müssen sich gleichzeitig auf eine wachsende chinesische Konkurrenz in Europa vorbereiten.




