Der britische Pharmakonzern AstraZeneca baut seine Position im boomenden Markt für Adipositas- und Diabetesmedikamente aus. Mit einer umfangreichen Kooperations- und Lizenzvereinbarung sichert sich das Unternehmen die Rechte außerhalb Chinas an einem Portfolio experimenteller Wirkstoffe des chinesischen Pharmakonzerns CSPC Pharmaceutical. An der Börse kam der Schritt gut an: Die AstraZeneca-Aktie notierte in London zeitweise im Plus.
Der Deal hat das Potenzial, ein Volumen im zweistelligen Milliardenbereich zu erreichen. AstraZeneca zahlt zunächst 1,2 Milliarden US-Dollar als Vorabzahlung an CSPC. Hinzu kommen Meilensteinzahlungen für Entwicklung und Zulassung von bis zu 3,5 Milliarden Dollar.
Darüber hinaus sind erfolgsabhängige Zahlungen vereinbart, die an Vermarktungs- und Umsatzziele gekoppelt sind. CSPC bezifferte das mögliche Gesamtvolumen dieser umsatzabhängigen Meilensteine sogar auf bis zu 13,8 Milliarden US-Dollar. Für AstraZeneca bedeutet das hohe Vorleistungen, aber auch Zugang zu einem der derzeit lukrativsten Therapiefelder der globalen Pharmaindustrie.
Die Kooperation konzentriert sich zunächst auf vier konkrete Entwicklungsprogramme. Eines der Medikamente befindet sich bereits in einer frühen klinischen Testphase, drei weitere Wirkstoffe sind noch präklinisch.
Zusätzlich planen die beiden Unternehmen eine Zusammenarbeit bei vier weiteren Programmen, die auf Technologieplattformen von CSPC basieren. AstraZeneca erhält damit nicht nur einzelne Kandidaten, sondern auch strategischen Zugriff auf Forschungsansätze aus China.
Der Deal ist Teil eines globalen Wettlaufs um neue Abnehmpräparate. Der Markt wächst rasant und wird derzeit von Eli Lilly und Novo Nordisk dominiert.
Andere Konzerne ziehen nach. Pfizer sicherte sich im vergangenen Jahr nach einem Bieterstreit den Adipositas-Spezialisten Metsera, während Roche einen Lizenzvertrag mit Zealand Pharma abschloss und zuvor Carmot Therapeutics übernahm.
AstraZeneca setzt nun gezielt auf Partnerschaften, um Entwicklungszeit zu sparen und schneller marktfähige Produkte zu erreichen.
An der Londoner Börse legte die AstraZeneca-Aktie zeitweise um rund 0,3 Prozent auf 135 Pfund zu. Die Marktreaktion deutet darauf hin, dass Investoren den Deal strategisch einordnen: hohe Investitionen heute, potenziell enorme Erträge in einem Markt, der als struktureller Wachstumstreiber gilt.
Für AstraZeneca ist die Vereinbarung ein klarer Richtungsentscheid. Statt auf organische Entwicklung allein zu setzen, kauft sich der Konzern gezielt externes Innovationspotenzial ein – und positioniert sich damit offensiv im globalen Kampf um das nächste Blockbuster-Medikament gegen Adipositas.



