Die langjährigen Rivalen diskutieren über eine mögliche Integration von Metas generativem KI-Modell in Apple Intelligence.
Apple hat Gespräche mit dem langjährigen Rivalen Meta über die Integration von Metas generativem KI-Modell in Apple Intelligence geführt. Dies berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Verhandlungen betonen die ungewöhnlichen Allianzen, die in der Ära der künstlichen Intelligenz zwischen großen Technologiekonzernen entstehen.
Apple, das im Bereich generative KI bisher hinterherhinkt, hat eigene kleinere KI-Modelle entwickelt, aber bekannt gegeben, dass es für komplexere Aufgaben auf Partner zurückgreifen wird. Bei der Vorstellung von Apple Intelligence auf der Worldwide Developers Conference Anfang des Monats wurde OpenAIs ChatGPT als erster Partner vorgestellt.
„Wir wollten mit dem Besten anfangen“, sagte Apples Software-Chef Craig Federighi und fügte hinzu, dass ChatGPT „die beste Wahl für unsere Nutzer heute“ darstelle. Apple strebe auch die Integration von Googles Gemini an.
Neben Google und Meta haben auch die KI-Start-ups Anthropic und Perplexity Gespräche mit Apple geführt, um ihre generativen KI-Modelle in Apple Intelligence zu integrieren. Sollten diese Partnerschaften zustande kommen, könnten Apple-Kunden auswählen, welche externen KI-Modelle sie neben den internen Systemen von Apple nutzen möchten.
Die Gespräche zwischen Apple und Meta sind besonders bemerkenswert, da die beiden Unternehmen in der Vergangenheit oft im Konflikt standen, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und Werbung. Meta veröffentlichte 2023 sein großes Sprachmodell Llama 2 und im April 2024 die neueste Version Llama 3. Eine Partnerschaft mit Apple würde die Bemühungen von Meta im KI-Rennen der Tech-Industrie stärken.
In den Gesprächen mit anderen KI-Unternehmen strebt Apple nicht an, dass eine der Parteien die andere bezahlt. Stattdessen können die KI-Unternehmen kostenpflichtige Abonnements für ihre Dienste über Apple Intelligence verkaufen. Apple würde dabei wie im App Store einen Anteil der Abonnement-Einnahmen behalten.
Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen und könnten scheitern. Ein Deal mit Apple würde den KI-Unternehmen eine massive Verbreitung ihrer Produkte ermöglichen, aber es ist unklar, wie groß der finanzielle Gewinn sein würde. OpenAI wird eine kostenlose Version von ChatGPT über Apple Intelligence anbieten, aber Nutzer können auch ein Premium-ChatGPT-Konto mit ihrem Apple-Gerät verknüpfen.
Gene Munster, langjähriger Apple-Analyst und geschäftsführender Partner bei Deepwater Asset Management, erwartet, dass die Nutzung von ChatGPT durch die Partnerschaft mit Apple stark zunehmen wird. Er schätzt, dass 10 bis 20 Prozent der Apple-Nutzer ein Premium-AI-Abonnement wählen könnten, was den KI-Unternehmen Milliarden von Dollar einbringen könnte.
Eine Partnerschaft mit Meta würde die Position des Unternehmens in der Tech-Industrie stärken und könnte als seltenes Friedensangebot zwischen dem Social-Media-Riesen und dem iPhone-Hersteller gesehen werden. Meta, das durch Apples Datenschutzänderungen im Jahr 2021 erhebliche Einnahmeverluste erlitten hat, könnte durch diese Kooperation eine bedeutende Anerkennung im Bereich der künstlichen Intelligenz erhalten.
Durch die Gespräche mit einer Reihe von KI-Unternehmen vermeidet Apple eine zu starke Abhängigkeit von OpenAI. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie offen Apple seine neue KI-Plattform für externe KI-Unternehmen machen wird. Diese Deals müssen derzeit einzeln ausgehandelt werden, im Gegensatz zum App Store, wo Entwickler ihre Apps relativ frei zur Genehmigung einreichen können.
Apple möchte verschiedene KI-Optionen anbieten, da Nutzer unterschiedliche Modelle für verschiedene Aufgaben bevorzugen könnten, erklärte Federighi auf der Entwicklerkonferenz. „Menschen werden auf Fachwissen zurückgreifen wollen, das möglicherweise nicht zu unserem Kern gehört“, sagte er.
Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Schritt für Apple, das sich in der wettbewerbsintensiven Technologielandschaft neu positionieren möchte. Die kommenden Monate werden zeigen, wie diese Partnerschaften die Dynamik der KI-Branche beeinflussen und welche Vorteile sie den Nutzern bringen werden.



