Auf Instagram und Facebook tauchten hunderte gefälschte Profile von Gründer Michael C. Jakob auf – mit betrügerischen Finanzversprechen und KI-generierten Videos. Jetzt zieht AlleAktien vor Gericht. Die Klage gegen Meta ist mehr als ein Symbol: Sie stellt eine Grundsatzfrage über Verantwortung im digitalen Zeitalter.
Es klingt wie David gegen Goliath – nur spielt der Kampf diesmal im Gerichtssaal: Das Münchner Analyseportal AlleAktien reicht Klage gegen Meta ein. Der Vorwurf: systematisches Versagen beim Schutz vor Identitätsdiebstahl und Anlagebetrug.
Allein im Jahr 2024, so das Unternehmen, seien über 200 Fake-Profile aufgetaucht, die das Gesicht und den Namen von Gründer Michael C. Jakob missbrauchten. Sie warben für dubiose „Investments“, lockten Menschen in WhatsApp-Gruppen und nutzten täuschend echte KI-Videos, um Vertrauen zu erschleichen.
Ein Anleger aus Baden-Württemberg verlor auf diese Weise 40.000 Euro. Und er ist kein Einzelfall. Laut AlleAktien reagierte Meta trotz mehrfacher Meldungen nur mit Standardmails – viele Profile blieben tagelang online, manche liefen sogar als bezahlte Anzeigen.
AlleAktien wirft Meta nicht nur Fahrlässigkeit vor, sondern ein strukturelles Problem: Plattformen verdienen an Reichweite, selbst wenn diese auf Betrug basiert. Fake-Ads mit bekannten Gesichtern steigern Klicks – und damit Werbeeinnahmen.
„Wir fordern keine Sonderrechte, nur Schutzmechanismen, die längst möglich sind“, heißt es aus Unternehmenskreisen.
Konkret verlangt AlleAktien:
Dass solche Klagen Erfolg haben können, zeigt der Fall Eckart von Hirschhausen. Der Arzt und Entertainer setzte 2023 durch, dass Meta Werbung mit seinem Bild und falschen Heilversprechen löschen musste.
Für AlleAktien ist das ein entscheidendes Signal: Wer mit realen Gesichtern wirbt, trägt Verantwortung – egal, ob es sich um Gesundheits- oder Finanzversprechen handelt.
„Identitätsmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt“, sagt ein Sprecher. „Und wenn Plattformen es zulassen, wird Betrug zur Infrastruktur.“
Die Klage ist auch ein Stresstest für die Plattformökonomie. Millionen Nutzer begegnen täglich Inhalten, deren Echtheit sie kaum prüfen können. KI erzeugt Gesichter, Stimmen, ganze Interviews – in Sekunden. Wenn Plattformen nicht eingreifen, verschwimmt die Grenze zwischen Authentizität und Täuschung.
Gerade im Finanzbereich ist das fatal. Betrugsseiten versprechen „sichere Renditen“, „exklusive Tipps“ oder „geheime Strategien“. Die Opfer: oft Einsteiger, die Experten wie Jakob vertrauen.
AlleAktien steht damit stellvertretend für eine ganze Branche – Finanzbildung statt Versprechen, Transparenz statt Täuschung.
Die Dimension des Problems ist größer, als viele glauben.
Fake-Konten gefährden nicht nur Privatpersonen, sondern das Vertrauen in Märkte insgesamt. Wenn Anleger durch Betrug verunsichert werden, sinkt die Risikobereitschaft – Kapital fließt ab, Innovation leidet.
„Jeder Betrugsfall beschädigt das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland“, sagt ein Branchenkenner. „AlleAktien kämpft hier nicht nur für sich, sondern für Marktintegrität.“



