Der offene Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D stoppt überraschend die Anteilsrücknahme. Hohe Mittelabflüsse und ein blockierter Transaktionsmarkt zwingen den Anbieter zu einem drastischen Schritt – dem ersten dieser Art seit über einem Jahrzehnt.
Die Wohnselect Kapitalverwaltungsgesellschaft hat mit sofortiger Wirkung die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen am offenen Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D ausgesetzt. Betroffen sind alle Aufträge, die nach dem 15. Januar 2026, 12 Uhr, eingegangen sind. Das Fondsvolumen liegt bei rund 290 Millionen Euro, die aktuell vorliegenden Rückgabewünsche entsprechen etwa 21 Prozent dieses Volumens.
Branchenkreise sprechen von einem historischen Einschnitt: Es ist die erste Aussetzung eines deutschen offenen Immobilien-Publikumsfonds seit der großen Fonds- und Liquiditätskrise zwischen 2008 und 2012.
Die Fondsgesellschaft nennt zwei zentrale Ursachen:
In den vergangenen Jahren wurden Rückgaben von rund 147,5 Millionen Euro bedient – knapp ein Drittel des Fondsvermögens. Zwar konnten fünf Immobilien für insgesamt 98 Millionen Euro verkauft werden, doch nicht alle Erlöse flossen in den Fonds zurück. Ein Teil wurde zur Bedienung von Bankverbindlichkeiten verwendet.
Zwei geplante Verkäufe im zweiten Halbjahr 2025 scheiterten ganz – ein klares Signal für die aktuell eingefrorene Marktliquidität.
Wertgrund betont, die Aussetzung diene dem Interessenausgleich zwischen ausstiegswilligen und verbleibenden Investoren. Ohne den Stopp drohten Notverkäufe unter Wert – mit nachhaltigen Verlusten für alle Anleger.
„Oberste Priorität hat der werterhaltende Verkauf ohne Zeitdruck“, heißt es in der Mitteilung. Die Maßnahme verschafft dem Fonds Zeit, Immobilien marktgerecht zu platzieren.
Rechtlich darf die Aussetzung bis zu drei Jahre bestehen. Wertgrund kündigt jedoch an, diese Frist nicht ausschöpfen zu wollen. Die Wiederaufnahme hängt von:
ab.
Währenddessen sollen monatliche Bewertungen, erweiterte Berichte und regelmäßige Anleger-Calls für Transparenz sorgen.
Andere offene Immobilienfonds reagieren bislang mit Abwertungen statt mit Rücknahmestopps – etwa der Uniimmo Wohnen ZBI oder der Leading Cities Invest. Die Maßnahme von Wertgrund zeigt jedoch, wie ernst die Lage im deutschen Immobilienfondsmarkt inzwischen ist.
Die Botschaft ist klar: Nach Jahren scheinbarer Stabilität kehrt das Liquiditätsrisiko offener Immobilienfonds zurück – und damit eine Erinnerung an die Lehren aus der letzten großen Fonds-Krise.




