Das Institut Pasteur warnt vor einer möglichen Mutation des Vogelgrippevirus – und spricht von einem Szenario, das „schlimmer als Corona“ ausfallen könnte. Gleichzeitig geben internationale Behörden Entwarnung. Zwischen Alarm und Gelassenheit stellt sich die Frage: Wie real ist die Gefahr einer neuen Pandemie?
Die Warnung kommt von hoher Stelle: Marie-Anne Rameix-Welti, Leiterin des Zentrums für Atemwegsinfektionen am renommierten Institut Pasteur, hält eine Zukunftspandemie durch Vogelgrippe für „wahrscheinlich sehr schwerwiegend“.
Ihr größtes Risiko: eine Mutation, die das H5-Virus besser an Säugetiere – und letztlich an den Menschen – anpasst.
Das Institut fürchtet:
Gerade weil es gegen H5-Viren keine natürliche Immunität in der Bevölkerung gibt, sieht man die Gefahr größer als bei saisonalen Grippen.
Das Institut Pasteur argumentiert mit zwei Faktoren:
Zwischen 2003 und 2025 erkrankten laut WHO knapp tausend Menschen an verschiedenen H5-Viren – fast die Hälfte von ihnen starb. Die Fallzahlen sind extrem niedrig, die Sterblichkeit dafür extrem hoch.
Ganz anders klingt es jedoch bei der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH). Deren Wissenschaftsdirektor Gregorio Torres stuft das Risiko einer globalen Pandemie derzeit als gering ein.
Seine Argumente:
Torres warnt davor, aus einzelnen Fällen automatisch eine Pandemiedrohung abzuleiten.
In den USA wurde im November ein möglicher erster Fall einer H5N5-Infektion gemeldet. Der Betroffene, der Vorerkrankungen hatte, starb. Doch die WHO widerspricht: Solche Fälle habe es bereits in der Vergangenheit gegeben – insgesamt fast tausend in über 20 Jahren.
Die Diskrepanz zeigt, wie schwer die Datenlage zu bewerten ist und wie schnell Einzelfälle in den Fokus geraten können.
Der wissenschaftliche Konsens lautet aktuell:
H5-Varianten sind vor allem ein Risiko für Personen mit engem Tierkontakt: Geflügelhalter, Tierärzte, Farmarbeiter. Für die breite Bevölkerung ist die Gefahr derzeit gering.
Die Warnung des Institut Pasteur zeigt, dass Vogelgrippe für Forschungseinrichtungen ein ernstzunehmendes Szenario bleibt. Doch internationale Behörden dämpfen den Alarm: Eine neue Pandemie ist gegenwärtig nicht absehbar, und die Welt ist medizinisch deutlich besser vorbereitet als 2019.
Die Lehre aus den widersprüchlichen Meldungen:
Nicht jede Warnung bedeutet unmittelbare Gefahr – aber sie erinnert daran, dass Viren weiterhin eine der größten globalen Herausforderungen bleiben.




