Ein sicherheitspolitischer Vorwand, große wirtschaftliche Folgen und politische Vorwürfe: Die USA stoppen mehrere Offshore-Windprojekte – und lösen damit einen Kursrutsch bei europäischen Branchenriesen aus.
Die US-Regierung hat überraschend die Reißleine gezogen: Fünf große Offshore-Windenergieprojekte vor der amerikanischen Ostküste dürfen vorerst nicht weitergebaut werden. Betroffen sind sowohl laufende Bauarbeiten als auch bestehende Miet- und Nutzungslizenzen. Offiziell verweist das US-Innenministerium auf nationale Sicherheitsinteressen.
Konkret geht es um Windparks vor den Küsten von Massachusetts, Connecticut, New York und Virginia – Projekte, in die bereits Milliarden geflossen sind und die teils weit fortgeschritten waren. Die Genehmigungen werden nun ausgesetzt, um mögliche Risiken neu zu bewerten.
Nach Angaben des Innenministeriums liegen Regierungsberichte vor, wonach große Offshore-Windturbinen militärische Radarsysteme stören könnten. Bewegliche Rotorblätter und stark reflektierende Türme sollen demnach die Erkennung potenzieller Bedrohungen erschweren.
Ob diese Risiken tatsächlich neu sind, bleibt offen. Kritiker verweisen darauf, dass viele der Projekte bereits umfassende Sicherheits- und Genehmigungsverfahren durchlaufen haben – teils noch unter früheren US-Regierungen. Der plötzliche Stopp wirkt daher auf viele Beobachter weniger technisch als politisch motiviert.
Deutlichen Widerspruch äußerte der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer. Er sprach von einem „irrationalen und ungerechtfertigten“ Eingriff der Regierung unter Donald Trump. Der Schritt gefährde tausende gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze, treibe die Energiepreise weiter nach oben und schwäche die Stabilität des Stromnetzes.
Auch Umweltverbände und Vertreter einzelner Bundesstaaten sehen in der Entscheidung einen gezielten Angriff auf die Windenergiebranche. Mehrere Projektentwickler prüfen bereits juristische Optionen, um gegen die Aussetzung der Lizenzen vorzugehen.
An den Märkten ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Besonders europäische Unternehmen mit starkem US-Geschäft gerieten unter Druck. Die Aktie von Ørsted verlor an der Börse in Kopenhagen zeitweise rund zwei Prozent und rutschte auf 114,85 DKK ab. Auch Vestas musste Federn lassen, die Papiere gaben um etwa 1,3 Prozent auf 167,00 DKK nach.
Für Investoren ist der Vorgang ein Warnsignal: Politische Risiken gewinnen im Energiesektor wieder deutlich an Gewicht – selbst bei Projekten, die als strategisch gewollt galten.
Der temporäre Stopp der Offshore-Windprojekte markiert mehr als eine technische Überprüfung. Er zeigt, wie schnell sich energiepolitische Leitplanken in den USA verschieben können – mit direkten Folgen für internationale Konzerne, Arbeitsplätze und Investitionsentscheidungen.
Ob die Projekte nach der Sicherheitsprüfung fortgesetzt werden oder dauerhaft scheitern, ist offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Das Vertrauen in die Planbarkeit der US-Energiepolitik hat einen spürbaren Dämpfer erhalten.




