Ein möglicher schrittweiser Verkauf der Stahlsparte an Jindal sorgt für Fantasie bei Anlegern. Die thyssenkrupp-Aktie legt deutlich zu, auch andere Stahlwerte profitieren vom wachsenden Optimismus im Sektor.
Die Aktie von thyssenkrupp AG hat zur Wochenmitte kräftig zugelegt. Auslöser ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Industriekonzern seine Stahlsparte in mehreren Schritten an Jindal Steel International verkaufen könnte. Demnach werde aktuell an einer praktikablen Lösung für das komplexe Geschäft gearbeitet.
In einem ersten Schritt könnte Jindal rund 60 Prozent an thyssenkrupp Steel Europe übernehmen. Weitere Tranchen könnten später folgen, abhängig vom Fortschritt der laufenden Sanierung. Die Aktie reagierte positiv und kletterte im XETRA-Handel zeitweise deutlich über die Marke von zehn Euro.
Ein zentrales Thema in den Gesprächen bleiben laut Reuters die Pensionsverpflichtungen der Stahlsparte. Diese belaufen sich auf rund 2,5 Milliarden Euro und hatten frühere Verkaufsversuche erheblich erschwert. Nun soll geprüft werden, ob sich diese Lasten zeitlich strecken lassen, um den Einstieg für Jindal zu erleichtern.
thyssenkrupp bestätigte die laufenden, vertraulichen Gespräche mit Jindal und den Arbeitnehmervertretern. Zu Details äußerte sich der Konzern nicht. Man befinde sich weiterhin in einem Due-Diligence-Prozess, in dem Bewertung, Verpflichtungen und künftige Investitionen verhandelt würden.
Nicht nur thyssenkrupp profitierte von den Nachrichten. Auch andere Stahlwerte zeigten sich deutlich fester. Anleger setzen darauf, dass die europäische Stahlindustrie 2026 von möglichen Schutzmaßnahmen der EU gegen Billigimporte aus China profitieren könnte. Zusätzlich stützen Hoffnungen auf staatliche Infrastrukturprogramme sowie ein möglicher Wiederaufbau der Ukraine die Stimmung im Sektor.
Marktbeobachter sehen in dem möglichen Jindal-Deal einen wichtigen Schritt für thyssenkrupp. Sollte es zu einer verbindlichen Einigung kommen, könnte dies nach Jahren der Unsicherheit einen strukturellen Wendepunkt für den Konzern markieren. Bis dahin bleibt die Aktie stark nachrichtengetrieben – die Fantasie am Markt ist jedoch spürbar zurückgekehrt.




