Trotz bilanzieller Korrekturen und verfehltem Cashflow hält Thames Water an Millionenboni für Führungskräfte fest.
Trotz eines nachträglich korrigierten operativen Cashflows und wachsender öffentlicher Kritik dürfen Führungskräfte von Thames Water ihre Boni aus dem Vorjahr behalten. Im Mittelpunkt steht CEO Chris Weston, der 2024 lediglich drei Monate im Amt war und dennoch eine Bonuszahlung von 197.000 Pfund erhielt – ursprünglich begründet mit der Zielerreichung beim operativen Cashflow.
Wie aus dem jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, musste der angeschlagene Versorger seine Rechnungslegung anpassen. Diese Restatement führte rechnerisch dazu, dass das zugrunde liegende Cashflow-Ziel verfehlt wurde. Dennoch entschied der Vergütungsausschuss, die Boni nicht rückwirkend zu kürzen. Begründung: Hätte man den neuen Bilanzierungsstandard bereits vorher angewandt, wäre das Ziel ohnehin niedriger angesetzt worden.
Die Entscheidung fällt in eine Phase wachsender finanzieller Unsicherheit. Thames Water kämpft mit einem Schuldenberg von über 20 Mrd. Pfund und hängt derzeit an einem Notkredit über 3 Mrd. Pfund, bereitgestellt von Gläubigern wie Apollo Global Management und Silver Point Capital. Nach dem Rückzug von KKR aus einem geplanten Rettungsdeal prüfen diese Gläubiger eine Übernahme des Versorgers.
Gleichzeitig stehen millionenschwere Zahlungen an Berater sowie interne Bonus- und Halteprogramme im Fokus. Im April erhielten 21 namentlich nicht genannte Führungskräfte zusammen 2,46 Mio. Pfund – Teil eines gestaffelten „Retention Packages“, das weitere Auszahlungen im Dezember und im kommenden Juni vorsieht. Die Gesamtsumme der Zusatzvergütung beläuft sich auf rund 15 Mio. Pfund, unabhängig von regulären Bonus- und Long-Term-Incentive-Zahlungen.
Während Kunden sich auf die höchsten Wasserpreiserhöhungen seit der Privatisierung einstellen müssen, hat die Labour-Regierung Bonuszahlungen an Topmanager per Gesetz eingeschränkt. Weston selbst wurde für das laufende Jahr kein Bonus gewährt, sein Gesamtvergütungspaket beträgt jedoch 1,35 Mio. Pfund. Für 2025 steht ihm theoretisch ein leistungsabhängiger Bonus von bis zu 240 % seines Grundgehalts zu – wobei das Unternehmen betont, man rechne nicht mit einer Auszahlung.
Thames Water verteidigte die Bonusauszahlung mit dem Hinweis, die bilanziellen Anpassungen veränderten die finanzielle Gesamtlage des Unternehmens nicht und seien lediglich Folge einer methodischen Umstellung.




