Nach wochenlangen schweren Gefechten entlang ihrer gemeinsamen Grenze haben sich Thailand und Kambodscha auf eine neue Waffenruhe verständigt. Das Abkommen wurde am Samstag in Bangkok vom thailändischen Verteidigungsminister Natthaphon Narkphanit und seinem kambodschanischen Amtskollegen Tea Seiha unterzeichnet.
Nach Angaben eines Sprechers des thailändischen Verteidigungsministeriums hielt die Waffenruhe auch zwei Stunden nach ihrem Inkrafttreten an. Sie beendet vorerst rund 20 Tage anhaltende Kämpfe, bei denen mindestens 101 Menschen getötet und mehr als eine halbe Million Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze vertrieben wurden. Es ist bereits der zweite Anlauf innerhalb weniger Monate, die eskalierende Gewalt einzudämmen.
In die aktuellen Bemühungen zur Stabilisierung der Lage ist auch China eingebunden. Die Außenminister beider Länder, Prak Sokhonn und Sihasak Phuangketkeow, wollen sich am Sonntag und Montag in der chinesischen Provinz Yunnan mit Chinas Außenminister Wang Yi treffen, um über die weitere Entwicklung an der Grenze zu beraten.
Bei einer zuvor vereinbarten, später jedoch gescheiterten Waffenruhe hatten hingegen die USA eine zentrale Rolle gespielt. Damals vermittelten US-Präsident Donald Trump und der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim zwischen den Konfliktparteien.
In einer gemeinsamen Erklärung vereinbarten Thailand und Kambodscha, ihre derzeitigen Truppenstationierungen entlang der Grenze beizubehalten und auf weitere militärische Bewegungen zu verzichten. Die Einhaltung der Waffenruhe soll von einem Beobachterteam der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN überwacht werden. Zusätzlich ist eine direkte Kommunikationslinie zwischen den Verteidigungsministern und den Armeechefs beider Länder vorgesehen.
Teil der Vereinbarung ist zudem die schrittweise Rückkehr der Vertriebenen. Thailand erklärte sich bereit, 18 kambodschanische Soldaten freizulassen, die seit den Gefechten im Juli festgehalten werden, sofern die Waffenruhe mindestens 72 Stunden Bestand hat.
Der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha um die Souveränität über mehrere, nicht eindeutig markierte Grenzabschnitte schwelt seit mehr als einem Jahrhundert. Die gemeinsame Landgrenze erstreckt sich über rund 817 Kilometer und war immer wieder Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen. Die aktuellen Vereinbarungen lassen die laufenden Verhandlungen zur endgültigen Grenzziehung ausdrücklich unberührt.
„Krieg und Zusammenstöße machen weder die beiden Länder noch ihre Völker glücklich“, sagte der thailändische Luftwaffengeneral Prapas Sornjaidee. Das thailändische und das kambodschanische Volk stünden nicht im Konflikt miteinander, betonte er.




