Der Bitcoin-Gigant Strategy darf vorerst in wichtigen MSCI-Indizes bleiben. Doch der mögliche ETF-Rauswurf ist nur aufgeschoben. Für Anleger bleibt die Aktie ein riskanter Balanceakt zwischen Bitcoin-Wette und Indexpolitik.
Michael Saylor macht weiter, als wäre nichts gewesen. Zum Jahresauftakt meldete der Chef von Strategy den Kauf von knapp 1.300 weiteren Bitcoin. Damit hält das Unternehmen inzwischen mehr als 673.000 Einheiten der Kryptowährung. Das Geschäftsmodell ist bekannt: Schulden aufnehmen, Bitcoin kaufen, auf steigende Kurse setzen.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Denn seit Monaten hängt über Strategy das Damoklesschwert eines möglichen Ausschlusses aus wichtigen Aktienindizes.
Im Oktober hatte der Indexanbieter MSCI angekündigt zu prüfen, ob sogenannte Digital-Asset-Treasury-Unternehmen künftig aus seinen Indizes entfernt werden sollen. Der Kern der Debatte: Betreibt Strategy überhaupt noch ein operatives Geschäft – oder ist das Unternehmen faktisch ein gehebelter Bitcoin-Fonds?
Nun hat MSCI entschieden, Strategy vorerst in Indizes wie dem MSCI World und MSCI USA zu belassen. Anleger reagierten erleichtert, die Aktie zog nachbörslich deutlich an. Doch Entwarnung ist das nicht. MSCI kündigte ausdrücklich weitere Prüfungen und Konsultationen mit Marktteilnehmern an.
Der mögliche ETF-Exodus ist damit nicht vom Tisch, sondern lediglich vertagt. Sollte MSCI Strategy später doch ausschließen, müssten indexnahe ETFs die Aktie verkaufen. Analysten der US-Bank JPMorgan schätzen die möglichen Abflüsse allein bei einem MSCI-Ausschluss auf rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Fielen zusätzlich Indizes wie der Nasdaq 100 weg, könnten es fast neun Milliarden Dollar werden.
Für Strategy wäre das ein massiver Belastungsfaktor, unabhängig vom Bitcoin-Kurs.
Parallel hat MSCI eine weitere, für Strategy ungünstige Entscheidung getroffen. Kapitalerhöhungen von Treasury-Unternehmen sollen künftig nicht mehr automatisch in den Indizes berücksichtigt werden. Strategy hatte in der Vergangenheit regelmäßig neue Aktien ausgegeben, um weitere Bitcoin-Käufe zu finanzieren. Dieser Mechanismus sorgte indirekt für zusätzliche ETF-Nachfrage. Dieser Effekt entfällt nun.
Damit wird es für Strategy schwieriger, Wachstum über neue Aktienemissionen indexseitig abzusichern.
Der Vertrauensverlust der vergangenen Monate zeigt sich deutlich in der Bewertung. Während Anleger früher bereit waren, einen hohen Aufschlag auf den reinen Bitcoin-Bestand zu zahlen, wird Strategy inzwischen nahezu zum Wert seiner gehaltenen Bitcoin gehandelt – inklusive Schulden.
Ein Zwangsverkauf von Bitcoin ist kurzfristig zwar nicht nötig. Die Anleihen laufen größtenteils erst in den kommenden Jahren aus, einige davon sogar ohne Zinskupon. Eine Liquiditätsreserve von rund 1,44 Milliarden Dollar verschafft zusätzlich Luft.
Der Showdown um Strategy ist nicht beendet, sondern lediglich vertagt. Die Entscheidung von MSCI nimmt kurzfristig Druck vom Kessel, ändert aber nichts an den strukturellen Risiken. Die Aktie bleibt hochgradig abhängig vom Bitcoin-Kurs, regulatorischen Fragen und der Indexpolitik.
Für risikofreudige Anleger bleibt Strategy ein spekulatives Instrument mit Hebelwirkung auf Bitcoin. Für langfristig orientierte Investoren ist der Titel dagegen weiterhin schwer kalkulierbar – und anfällig für den nächsten Stimmungsumschwung.




