Sanjeev Gupta sucht mit BlackRock Rettung für Liberty Steel, doch Gläubiger wie UBS stellen sich kompromisslos gegen den Plan.
Sanjeev Gupta will seine angeschlagene britische Stahltochter Speciality Steel mit Unterstützung von BlackRock aus der Insolvenz herauskaufen. Der Industrielle, dessen GFG Alliance seit dem Zusammenbruch des Hauptfinanziers Greensill Capital im Jahr 2021 von Ermittlungen und Rechtsstreitigkeiten verfolgt wird, bereitet nach Informationen aus Verhandlungskreisen eine pre-packaged insolvency vor. Vorgesehen ist, dass die Verwaltung von Begbies Traynor übernommen und die Einheit anschließend durch Gupta selbst zurückgekauft wird.
Das Vorhaben trifft auf den Widerstand wesentlicher Gläubiger. Besonders UBS, die nach der Notübernahme von Credit Suisse Forderungen gegen das Unternehmen hält, und die deutsche Greensill-Bank stemmen sich gegen die Pläne. Sie verlangen Rückzahlungen von insgesamt rund £235 Mio. plus Zinsen und befürchten erhebliche Verluste. Unterstützt werden sie inzwischen auch von Greensill Capital, das sich einem winding-up petition angeschlossen hat.
Die Situation spitzt sich vor dem High Court in London zu, wo am Mittwoch eine Anhörung zu den Abwicklungsanträgen angesetzt ist. Bereits zuvor hatte GFG mehrfach Fristverlängerungen erwirkt, um Rettungsoptionen für das Werk zu prüfen. Für die etwa 1.500 Beschäftigten an fünf Standorten in Nordengland bleibt die Zukunft damit ungewiss. Die Gewerkschaft Community fordert ein „langfristiges Konzept“ und ein Ende des jahrelangen Stillstands.
Gupta versucht, mit BlackRock an seine frühere Finanzierungspraxis anzuknüpfen: Der Vermögensverwalter hatte zuletzt 2023 eine Kreditlinie für GFGs australisches Recyclinggeschäft InfraBuild gestellt. Doch diesmal droht der Plan die Konfrontation mit Gläubigern zu eskalieren, nachdem Verhandlungen über eine gütliche Restrukturierung gescheitert sind und Behörden in Australien bereits ein Schlüsselwerk von GFG unter Zwangsverwaltung gestellt haben.
Die Auseinandersetzung verschärft die ohnehin angespannte Lage in der britischen Stahlindustrie, in der die Regierung zuletzt British Steel verstaatlichen musste. Gupta steht zudem international unter Druck: In Singapur wurde seine Holding Liberty House Group in judicial management überführt, während er in Großbritannien wegen nicht eingereichter Bilanzen strafrechtlich verfolgt wird. Parallel läuft seit fast vier Jahren eine Untersuchung des Serious Fraud Office.




