Russland setzt auf eine Schattenflotte für LNG-Exporte, doch Absatzprobleme und Sanktionen gefährden den Neustart nachhaltig.
Erstmals seit Oktober hat wieder ein LNG-Tanker am russischen Exportterminal Arctic LNG 2 angelegt. Damit unternimmt Moskau einen neuen Versuch, seine LNG-Exporte nach dem Sanktionsschock im vergangenen Jahr zu steigern. Doch ohne verlässliche Abnehmer bleibt die wirtschaftliche Perspektive unsicher.
Das Schiff mit dem Namen Iris, ein sogenanntes Arc4-Schiff mit eisverstärktem Rumpf, könnte die Nordostpassage Richtung Asien nutzen – sofern die saisonalen Bedingungen es zulassen. Insgesamt haben sich laut Schiffs-Tracking-Daten mindestens 13 LNG-Tanker, darunter vier Eisbrecher, rund um das Terminal in der Barentssee positioniert. Einige davon wechselten mehrfach den Betreiber, um Eigentümerstrukturen zu verschleiern.
Arctic LNG 2 war ursprünglich als Herzstück der russischen Strategie geplant, die LNG-Ausfuhren bis 2030 zu verdreifachen. Nach US-Sanktionen im vergangenen Jahr kamen jedoch sowohl die Logistik als auch der Absatz zum Erliegen. Acht Ausfuhren zwischen August und Oktober 2024 landeten nicht auf internationalen Märkten, sondern in russischen Speichertankern – mangels Käufern.
Marktbeobachter wie Malte Humpert vom Arctic Institute sehen in der zusammengezogenen Schattenflotte durchaus Potenzial für eine Wiederaufnahme des Handels – vorausgesetzt, es finden sich abnahmebereite Kunden. Doch genau daran mangelt es bislang. Die LNG-Nachfrage in China ist seit Monaten rückläufig, indische Interessenten halten sich zurück, und westliche Kunden fürchten sekundäre Sanktionen.
Nach wie vor ist unklar, wie die neue US-Regierung unter Donald Trump auf mögliche Lieferungen reagieren wird. Die Biden-Administration hatte im Vorjahr gezielt gegen Unternehmen und Schiffe vorgegangen, die mit Arctic LNG 2 verbunden sind. Auch in Europa wächst der politische Druck, sich vollständig von russischem Gas zu lösen.
Satellitenbilder vom 25. Juni zeigen, dass zwei Produktionseinheiten des Terminals flackern – ein Indikator dafür, dass sie entweder produzieren oder gekühlt werden. Ohne funktionierende Ausfuhrlogistik droht die Lagerkapazität erneut an ihre Grenzen zu stoßen, wie bereits im Oktober geschehen. Analysten wie Jan-Eric Fahnrich von Rystad Energy sehen daher eine kurzfristige Exportaufnahme als operativ notwendig, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen.
Für Mehrheitsaktionär Novatek bleibt die Lage delikat: Die Chancen, LNG zu Dumpingpreisen in Asien abzusetzen, stehen zwar besser als in Europa – doch ob das ausreicht, um die teure Infrastruktur auszulasten, ist fraglich.




