Die Hoffnung auf eine Stabilisierung war kaum ausgesprochen, da folgt der nächste Einschnitt: Playmobil zieht die Reißleine und beendet seine Produktion in Deutschland. Das Werk im fränkischen Dietenhofen mit 350 Beschäftigten wird Ende Juni geschlossen. Für den Traditionshersteller ist es mehr als eine Standortentscheidung – es ist ein symbolischer Bruch mit der eigenen Geschichte.
Monatelang kursierten Gerüchte, nun ist es offiziell.
Playmobil begründet die Entscheidung mit gestiegenen Produktionskosten und einer umfassenden Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Fertigung soll ins Ausland verlagert werden – große Teile der Produktion laufen bereits seit Jahrzehnten auf Malta.
Das Ziel: Wettbewerbsfähigkeit sichern und Kosten senken.
Für den Standort Dietenhofen bedeutet das jedoch das Aus.
Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild:
Die einst komfortablen Barreserven, die Gründer Horst Brandstätter aufgebaut hatte, schwinden kontinuierlich.
Während Wettbewerber vom wachsenden Spielwarenmarkt profitieren, verliert Playmobil weiter Marktanteile.
Die Industriegewerkschaft IGBCE wirft dem Management Wortbruch vor. Die Belegschaft sei erst kurz vor einer Mitarbeiterversammlung informiert worden. Zuvor habe das Unternehmen monatelang Nachfragen abgeblockt.
Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner spricht von „jahrelangem Missmanagement“, dessen Folgen nun auf die Beschäftigten abgewälzt würden.
Auch der Bürgermeister von Dietenhofen zeigte sich überrascht. Die Informationspolitik des Unternehmens sorgt lokal für erhebliche Verstimmung.
Seit dem Tod von Gründer Horst Brandstätter 2015 steckt das Unternehmen in strukturellen Spannungen:
Die Eigentümerstruktur ist komplex: Marke und Unternehmensgruppe gehören zwei Stiftungen, an deren Spitze Brandstätters frühere Sekretärin Marianne Albert steht.
Brandstätters Sohn Conny kritisiert die Nachfolgeregelung seit Jahren offen.
Noch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg sprach Vorstandschef Bahri Kurter von einer möglichen Trendwende. Neue Partnerschaften (DFB, Wrestling-Reihe, Barbie) sowie technische Innovationen – etwa sprechende Figuren mit Mehrsprachigkeit – sollten Impulse setzen.
Ob diese Initiativen greifen, bleibt offen.
Kurters eigener Vertrag läuft nach drei Jahren aus. Eine Verlängerung ist bislang nicht bestätigt.
Mit der Schließung des Werks in Bayern endet ein Kapitel deutscher Industriegeschichte.
Playmobil war über Jahrzehnte ein Synonym für „Made in Germany“ im Kinderzimmer.
Nun folgt der strategische Realismus – getrieben von Kostendruck, internationalem Wettbewerb und strukturellen Versäumnissen.
Die angekündigte Trendumkehr wirkt angesichts der Standortschließung wie eine Fußnote.



