Nach jahrelangen Verzögerungen sendet Boeing ein wichtiges Signal an Kunden und Investoren: Der erste Flug einer seriennahen 777X soll im April stattfinden. Ein internes Dokument, das Reuters vorliegt, deutet darauf hin, dass der US-Flugzeugbauer in die entscheidende Phase seines Langstreckenprogramms eintritt. Die 777X gilt als Nachfolger der 747 und der bisherigen 777 – und ist zentral für Boeings Wettbewerbsfähigkeit im Widebody-Segment.
Laut dem Dokument bereitet Boeing derzeit in Everett (Washington) ein für Lufthansa bestimmtes 777-9-Flugzeug auf seinen Erstflug vor. Das Flugzeug wird am Standort Paine Field betankt und getestet, Triebwerkstests sollen noch im Februar folgen.
Die Besonderheit: Es handelt sich nicht um einen reinen Prototypen, sondern um ein Produktionsflugzeug in nahezu auslieferungsfähiger Konfiguration. Genau das fordert die US-Luftfahrtbehörde FAA im Zertifizierungsprozess.
Ein Reuters-Reporter sichtete das Flugzeug bereits an einer der Betankungsanlagen.
Trotz umfangreicher Flugtests – die 777X-Testflotte hat mehr Flugstunden absolviert als jedes frühere Boeing-Programm – steht die finale Zulassung durch die Federal Aviation Administration weiterhin aus.
Die Behörde verlangt unter anderem Tests mit seriennah konfigurierten Maschinen. Erst nach erfolgreicher Zertifizierung kann die Auslieferung beginnen.
Boeing plant weiterhin, das erste Flugzeug im kommenden Jahr zu übergeben.
Die 777X ist das größte zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt und positioniert sich als Nachfolger der legendären 747 sowie der bisherigen 777-Modelle. Zusammen mit der 787 Dreamliner bildet sie das Rückgrat von Boeings Langstreckenangebot.
Doch der Markt ist umkämpft. Der europäische Konkurrent Airbus hat in den vergangenen Jahren im Widebody-Segment Marktanteile gewonnen, insbesondere mit dem A350.
Die erste Bestellung der 777-9 stammt von Lufthansa und datiert aus dem Jahr 2013 – dem Jahr, in dem Boeing das Programm offiziell startete.
Erst vergangene Woche hatte Boeing-CEO Kelly Ortberg auf ein potenzielles neues Problem mit den Triebwerken von GE Aerospace hingewiesen. Nach Unternehmensangaben soll dies den geplanten Lieferstart jedoch nicht verzögern.
Nach Milliardenabschreibungen und zahlreichen Programmverschiebungen wäre ein erfolgreicher Erstflug im April ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Großprojekt.
Für Boeing markiert 2026 damit ein entscheidendes Jahr – operativ wie strategisch.



