Der KI-Gigant Nvidia liefert erneut beeindruckende Zahlen – und nutzt den Moment, um die Befürchtungen vor einer überhitzten KI-Blase offensiv zurückzuweisen. „Es wurde viel über eine KI-Blase gesprochen“, sagte Jensen Huang am Mittwochabend vor Analysten. „Aus unserer Perspektive sehen wir etwas ganz anderes.“ Die Bilanz für das dritte Quartal untermauert diese Aussage deutlich.
Der Umsatz von Nvidia sprang im Jahresvergleich um 62 Prozent auf 57 Milliarden Dollar. Selbst gegenüber dem Vorquartal legte der Konzern um 22 Prozent zu. Der Aktienkurs reagierte entsprechend: Im nachbörslichen US-Handel stieg die Aktie um mehr als fünf Prozent.
Nvidia bleibt damit das zentrale Nervenzentrum der globalen KI-Industrie. Ob beim Training großer Modelle wie ChatGPT oder im Betrieb moderner KI-Anwendungen – an den Chips der Kalifornier führt kein Weg vorbei. Ganze Rechenzentren von Google, Microsoft oder AWS basieren auf Nvidias Technologie.
Das erklärt auch, warum andere Chip- und KI-Aktien vom starken Nvidia-Quartal profitieren konnten: Coreweave (+9 Prozent), Nebius sowie Wettbewerber wie AMD, Intel und Broadcom (+2 bis +5 Prozent).
Trotz aller Erfolge bleibt die Stimmung am Markt nervös. Mehrere Wochen lang dominierten skeptische Stimmen die Diskussionen:
Vor allem Meta sorgte mit vorsichtigen Aussagen für einen Wendepunkt – die Aktie verlor seitdem rund 20 Prozent. Auch Palantir wurde nach enttäuschenden Zahlen abgestraft. Gleichzeitig sank Nvidias Börsenwert innerhalb weniger Wochen um rund 500 Milliarden Dollar.
Aus seiner Sicht springen viele Investoren zu früh ab. Branchen würden gerade erst beginnen, KI-gestützte Agenten einzusetzen – Software, die selbstständig Aufgaben erledigt und enorme Rechenleistung erfordert. Huang erwartet, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur bis zum Ende des Jahrzehnts auf drei bis vier Billionen Dollar pro Jahr steigen könnten.
Analyst Patrick Moorhead bestätigt die Richtung: „Nvidia ist der Wegbereiter – und die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage weitergeht.“
Bemerkenswert bleibt, dass Nvidia all dies ohne das einst wichtige China-Geschäft erreicht. Wegen US-Exportbeschränkungen kann der Konzern dort derzeit keine High-End-Chips verkaufen. Finanzchefin Colette Kress betonte jedoch, man wolle wieder Zutritt zum Markt – auch, um technologische Führerschaft gegenüber chinesischen Rivalen zu sichern.
Das Weiße Haus unterstützt Nvidia aktuell sogar und versucht Berichten zufolge, ein neues Exportverbot im Kongress zu stoppen.
Nvidia liefert Zahlen, die den KI-Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen – zumindest vorerst. Anleger sehen: Die Nachfrage bleibt hoch, die Gewinne steigen schnell, und die Expansionspläne sind gigantisch. Ob Huang recht behält und keine KI-Blase droht, wird der Markt in den kommenden Quartalen entscheiden. Derzeit spricht vieles dafür, dass für Nvidia das Wachstumskapitel erst beginnt.




