Der Versicherer zieht sich aus dem Neugeschäft mit Risiko- und Krebsversicherungen zurück und setzt künftig auf Produkte der Hannoverschen. Hintergrund sind schwache Ergebnisse – und ein drohender Kontrollwechsel.
Die Nürnberger Versicherung stellt zum 1. Oktober den Vertrieb ihrer eigenen Risikolebens- und Krebsversicherungen ein. Betroffen sind die 2020 eingeführten digitalen Policen mit rund 7.000 Verträgen, die künftig intern verwaltet werden. Um ihren rund 500 Generalagenten dennoch Angebote machen zu können, hat das Unternehmen eine Kooperation mit der Hannoverschen Lebensversicherung geschlossen.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender finanzieller Probleme: 2024 schrieb die Nürnberger mit 77 Millionen Euro den höchsten Verlust ihrer Geschichte. Vor allem die Schaden- und Unfallversicherung belastete mit einem Minus von 157,4 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 gelang zwar die Rückkehr in die Gewinnzone – mit 47,7 Millionen Euro nach Steuern –, doch Vorstandschef Harald Rosenberger sprach selbst von einem „noch langen Weg“ bis zu nachhaltiger Profitabilität.
Parallel verschärft sich der Druck auf die Unabhängigkeitsstrategie: Auf der Hauptversammlung im Mai stellte der Vorstand eine „ergebnisoffene Prüfung“ in Aussicht. Inzwischen verhandelt die Nürnberger exklusiv mit der Vienna Insurance Group (VIG) über eine Mehrheitsbeteiligung von über 50 Prozent. Die Österreicher sichern zu, Marke und Standort Nürnberg zu erhalten.
Doch es regt sich Widerstand. Der aktivistische Investor 7 Square attackierte die VIG-Pläne als „wertvernichtend“ und taxiert den fairen Wert der Nürnberger mit 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro – mehr als doppelt so hoch wie die aktuelle Börsenbewertung von etwa 700 Millionen Euro. Auch Branchenexperten äußern Zweifel an der Eignung der VIG, deren Präsenz im deutschen Kompositgeschäft bislang gering ist.
Die Großaktionäre – darunter Munich Re, die Versicherungskammer Bayern und Daido Life – halten sich vorerst bedeckt. Eine Entscheidung über die Zukunft der Nürnberger wird für das vierte Quartal 2025 erwartet. Bis dahin bleibt offen, ob der traditionsreiche Versicherer eigenständig bleibt oder seine nächste Ära unter österreichischer Führung beginnt.



